Berlin : Aufräumen

Fatina Keilani

wünscht den Nackten einen Besen in die Hand Eigentlich war es ja kein schlechter Trick. Die Love Parade galt jahrelang als Demo, was bedeutete: Der Steuerzahler trug die Kosten fürs Aufräumen. Als der Demo-Status weg war, machte die Parade es nicht mehr lange. Irgendwie kann man als Veranstalter ja nicht unbeschwert zusehen, wie jeder seine Dosen und Flaschen fallen lässt, wenn man weiß, dass man dafür die Rechnung bekommt. So machten sich ersatzweise ein paar Leute auf den Weg über den Ku’damm. Sie hatten Musik-Lastwagen dabei und eine Botschaft: Gegen Engstirnigkeit und – tusch! – für die Rückkehr der Love Parade. Toller Kniff. Das reichte aus, um als Demo anerkannt zu werden. Hätten die Massen das doch bloß kapiert: Es ist die Love Parade, aber wir tun so, als wäre sie es nicht. Dann können wir feiern und müssen nicht zahlen. Aber das war wohl zu verwirrend. Denn es gab ja auch noch den „Music Day“ an der Siegessäule. Er hatte eine Botschaft (Gegen den Ausverkauf der Musikindustrie), galt aber erst nicht als Demo und dann nur bis 19 Uhr. Jede Büchse, die später fiel, musste auf eigene Kosten beseitigt werden. Früher konnten die äußerst freizügig gekleideten Raver wenigstens darauf verweisen, dass man einem Nackten nicht in die Tasche greifen kann. Bei dieser Kälte geht das nicht mehr – da hilft nur Selberfegen.

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