Berlin : Augenblick mal

Geo und Daniel Fuchs haben „Famous Eyes“ fotografiert – mit einer überraschenden Erkenntnis

Florian Urschel

David Copperfield hat drei Augen – eines davon schwebt zwischen seinen gespreizten Händen. Zumindest auf einem Bild des Fotografen-Ehepaars Geo und Daniel Fuchs ist das so. Das Porträt des Magiers ist jetzt in Berlin zu sehen – zusammen mit vielen weiteren Bildern von Künstlern und deren Augen. Noch bis zum 8. September hängt im Löwenpalais in Grunewald die Fotoausstellung „Famous Eyes“.

Geo Fuchs, 35, und Daniel Fuchs, 38, fotografieren seit 15 Jahren gemeinsam. Für ihre neue Ausstellung nahmen die beiden ihre Modelle gleich zwei Mal auf: Zuerst fotografierten sie nur die Augen solcher Promis wie Bryan Adams, Katja Riemann oder David Copperfield. Danach sollten die Fotomodelle mit den Augenbildern etwas Kreatives machen. Dabei wurden sie nochmals fotografiert – Copperfield ließ die Aufnahme einfach schweben. Rockstar Bryan Adams hielt sich seine Augen vor die nackte Brust, und Katja Riemann legte ihre auf das Gesicht eines unbekannten Mannes.

Bekannt sind Geo und Daniel Fuchs vor allem seit ihrer umstrittenen Serie „Conserving“. Dabei lichteten sie konservierte Präparate von Tierkadavern und Menschenleichen ab. Die Band Rammstein – derzeit wegen ihres Kannibalen-Videos in den Schlagzeilen – war von den Bildern so fasziniert, dass sie das Ehepaar beauftragte, die Fotos für ihr Album „Mutter“ zu machen. Auf dem CD-Cover ist ein toter Embryo zu sehen.

Von den Gruselbildern sind aber keine in der Villa im Grunewald zu sehen. Vielmehr hängen außer den Promi-Porträts viele Aufnahmen an den Wänden, auf denen nur die Augen der berühmten Menschen zu sehen sind. Angeblich sollen ja die Augen der Spiegel der Seele sein – doch zu erkennen ist nicht, wessen Seele sich hier spiegelt. Obendrein bleibt es ein Geheimnis, mit welchen Gefühlen das Augenmodel vor der Kamera saß. „Wir haben festgestellt, dass die Augen für sich genommen oft ziemlich ausdruckslos sind“, sagt Geo Fuchs. Ohne das Gesicht drumherum wirken die Augen auf den Fotos eher wie Kameraobjektive.

Warum fotografieren die beiden gerade so viele Augen? „Augen sind ein tolles Symbol“, erklären sie, „sie sind einfach wunderschön.“ Was sie genau mit den Bildern aussagen wollen, verraten sie nicht. „Wir wollen keine Vorgaben machen. Der Sinn unserer Ausstellung liegt im Auge des Betrachters.“ Zudem wollen die Künstler herausfinden, was man mit den Augenfotos alles anstellen kann. Um die Aufnahmen zu machen, reist das Ehepaar seit 1999 durch die ganze Welt. Daniel Fuchs erzählt: „Manchmal fliegen wir nach New York, um dann eine Stunde lang dort Fotos zu machen.“ Aus Frankfurt am Main stammend, wohnen die beiden zurzeit in Berlin – in einer Wohnung direkt über der Galerie im Löwenpalais. „Aber wir sind selten da“, sagt Daniel Fuchs. Schließlich gibt es noch viele Augenblicke zu fotografieren.

„Famous Eyes“, bis zum 8. September, Montag bis Donnerstag 9.30 Uhr bis 17 Uhr, Freitag 9.30 Uhr bis 14 Uhr. Stiftung Starke, Löwenpalais Grunewald, Koenigsallee 30-32, Eintritt frei, Telefon 8257685.

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