Aus dem Verkehr gezogener Reisebus : Gutes Rad ist teuer

Tagesspiegel-Kolumnist Bernd Matthies nähert sich vorsichtig dem Bus, der Minsk nicht erreichte, weil er in Charlottenburg von der Polizei aus dem Verkehr gezogen wurde.

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So wollte ein 24-jähriger Busfahrer nach Weißrussland fahren.
So wollte ein 24-jähriger Busfahrer nach Weißrussland fahren.Foto: Polizei Berlin

Beim beliebten Vergleich „Fliegen oder Busfahren?“ wird ein Aspekt relativ selten berücksichtigt, nämlich jener, dass kaputte Flugzeuge runterfallen, kaputte Busse aber meist nur stehen bleiben – mit entsprechend unterschiedlichen Folgen für die Passagiere. Deshalb werden Flugzeuge schärfer kontrolliert, und deshalb sind Busse unterwegs auf unseren Straßen, die, wären sie Flugzeuge, längst krachend am Boden zerschellt wären.

Nein, keine Angst vor dem örtlichen Gewerbe! Aber Reisende, die beispielsweise zwischen Berlin und Minsk unterwegs sind, sollten doch vor Fahrtantritt mal einen Rundgang um den Bus unternehmen: Fehlt dort auf einer der beiden Hinterachsen ein Rad, ist das möglicherweise ein Zeichen dafür, dass die Achse gebrochen ist und der Fahrer diese Achse einfach ohne Reifen oben irgendwo festgezurrt hat – gutes Rad ist teuer in Deutschland. Schließlich ist die doppelte Hinterachse ja dafür da, dass eine kaputtgehen kann, oder was?

Klingt wahnsinnig, ist aber so. Auch die Scheibenwischer waren kaputt, Bremsen und Lenkung ebenfalls weitgehend hinüber – der weißrussische Fahrer hat Mut und Pioniergeist bewiesen, denn er wollte mit diesem Gerät und 13 Insassen gerade treuherzig gen Osten aufbrechen, als die Berliner Polizei anrückte. Das legt eine Befürchtung nahe: Gibt es von diesen Dingern noch mehr? Auf der Autobahn?

Gut, dass Busse nicht auch noch fliegen können.

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