Ausbildung : Wie wird man Spitzen-Azubi?

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz zeichnet die besten Auszubildenden aus. Fünf Berliner erzählen, wie sie "sehr gut" schafften.

Patricia Hecht

Krisenzeit, wachsende Arbeitslosigkeit – das trifft oft insbesondere den Nachwuchs. Auszubildende werden nicht übernommen oder als Erste gekündigt. Einige von ihnen haben aber etwas entgegenzu- setzen: ihre herausragende Leistung. Unter 330 000 Azubis, die 2008 an Abschlussprüfungen in Ausbildungsberufen der Industrie- und Handwerkskammer (IHK) teilnahmen, haben bundesweit 229 Azubis ihre Prüfungen mit mindestens „sehr gut" bestanden. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz hat sie jetzt ausgezeichnet. Unter ihnen waren auch Berliner - fünf stellen wir hier vor.

Julia Woko, 22,  Mediengestalterin
Julia Woko kam für die Liebe nach Berlin. Weil man auf Dauer jedoch nicht von Luft und Liebe allein leben kann, musste noch eine Ausbildung her. „Irgendetwas mit Medien" habe sie machen wollen, erzählt die junge Frau aus Hoyerswerda. Gleich die erste Bewerbung traf ins Schwarze. „Total toll“ sei die Ausbildung bei der Druckerei Laserline gewesen, schwärmt Julia Woko. Sie lernte die Arbeitsabläufe vom Empfang der Daten bis hin zur Fertigstellung des Produkts kennen. "Es war genau die richtige Mischung aus Kreativität und technischem Know-How", sagte sie. Und weil ihr das alles so gut gefiel, studiert sie seit Oktober Druck- und Medientechnik an der Technischen Fachhochschule Berlin. Nebenbei arbeitet sie in ihrem alten Betrieb - so dass sie finanziell gut hinkommt.

Mathias Wolf, 25, Systemelektroniker
Mathias Wolf würde alles wieder genauso machen. Vor viereinhalb Jahren hatte er die Ausschreibung der BVG gesehen: Der Betrieb suchte Auszubildende für die Lehre zum Systemelektroniker. Wolf wurde genommen und schloss 2008 als einer der bundesweit besten Azubis ab. „Wenn das Interesse stark ist, hängt man sich natürlich auch mehr rein“, sagt er dazu. Mittlerweile hat er zwar einen unbefristeten Arbeitsvertrag – ab April wird Wolf aber mit Zustimmung des Betriebes erst einmal eine bezahlte Auszeit nehmen.

Innerhalb eines Förderprogramms der BVG studiert er dann Wirtschaftsinformatik. Die Ausbildung sei ein erster Schritt gewesen, sagt er, „und weil es gut lief, habe ich Ambitionen, mich weiter zu qualifizieren“. Nach dem Abschluss des Studiums will er zu den Berliner Verkehrsbetrieben zurückkehren. Die Mitarbeiter bei der BVG wissen dann bereits, mit wem sie es zu tun haben: Seit er die Prüfungen so gut abgeschlossen habe, sagt Mathias Wolf, sei er schon mal zu Feiern mit dem BVG-Vorstand eingeladen und als „unser Bester“ vorgestellt worden.


Melanie Schröder, 23, Versicherungskauffrau
Melanie Schröder ist die Beste der Besten: Sie bestand die Prüfung zur Versicherungskauffrau bei der Deutschen Krankenversicherung (DKV) mit 100 von 100 möglichen Punkten. „Wenn ich mir etwas vorgenommen habe, versuche ich auch, das zu erreichen“, sagt die 23-Jährige. Schon vor dem Abi sei ihr klar gewesen, dass ihre Zukunft auf dem Gebiet der Banken oder Versicherungen liege. Nach zweieinhalb Jahren Lehre bei der Krankenversicherung ist sie nun direkt übernommen worden und arbeitet in der Leistungsabteilung ihres ehemaligen Ausbildungsbetriebs. „Das Schönste an der Arbeit ist, Versicherungsfälle auf Dauer zu beobachten“, sagt sie. Manchen Kranken gehe es mit der Zeit besser – man müsse sich aber auch auf „harte Fälle“ einstellen. Die Finanzkrise macht ihr keine Angst: Zwar seien auch Versicherungen betroffen. Doch angesichts ihrer Leistungen hofft sie, „dass mich die DKV nicht so schnell loswerden möchte."

Ulla Meißner, 23, Film- und Videolaborantin
Eigentlich sei es Zufall gewesen, sagt Ulla Meißner, dass sie Film- und Videolaborantin geworden ist. Sie hatte ein paar Bewerbungen geschrieben, wurde genommen und lernte die Ausbildung bei der Firma „Andec Filmtechnik“ schätzen. Die Arbeit im Betrieb machte ihr Spaß. In der Berufsschule gab es allerdings Probleme: Dort war sie die einzige Azubi auf ihrem Gebiet. Und da die Schule keine Lehrer für nur eine Schülerin einsetzen wollte, musste sie sich den meisten Stoff selbst beibringen. Nach der Ausbildung wurde sie übernommen, entdeckte aber inzwischen eine neue Leidenschaft – für Zahlen. Nun will Ulla Meißner noch Betriebswirtschaft studieren.

Florian König, 23, Elektroniker für Gebäude- und Infrastruktursysteme
Florian König wollte nach dem Abi studieren, dann entschied er sich aber zunächst für eine Ausbildung. Bei der Aluta Wärmetechnik GmbH lernte er, Heizungen zu programmieren. „Es ist ein Erfolgserlebnis, wenn man selbst ein Gerät programmiert, es einschaltet und dann funktioniert es“, sagt König. Gelernt habe er während der drei Jahre auch frühes Aufstehen und Durchhaltevermögen. Beides kommt ihm bei seiner Meisterausbildung in Elektrotechnik, die er jetzt absolviert, zugute. Danach hat Florian König sonnige Aussichten: Er will zu seinem Vater nach Mallorca auswandern und sich dort selbstständig machen.

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