Ausflugsfahrten : Schiffe im Minutentakt

Saisonauftakt bei der Stern und Kreisschiffahrt: Neue Audio-Guides ersetzen die Fremdenführer, denn bei etwa 70 interessanten Punkten ist es nicht mehr möglich, diese Fülle in 60 Minuten in mehreren Sprachen zu erläutern.

Lothar Heinke
Ausflugsschiff
Dampfer ahoi! Jetzt schippern die Sightseeing- und Ausflugsschiffe wieder über Havel und Spree. -Foto: Peter Meissner

Der Frühling hat sie auf die Spree gelockt, jetzt schwimmen sie wieder – die Schiffe der weißen Ausflugsflotte. Die Wasserstadt Berlin ist auch eine Stadt der S(pr)eefahrer: „Mit unseren 32 Schiffen vergnügen sich jährlich über eine Million Fahrgäste auf den Wasserstraßen in und um Berlin“, sagt Jürgen Loch als Geschäftsführer der Stern und Kreisschifffahrt, die in Berlin die Hälfte aller Wasser-Touren fährt – die andere Hälfte teilen sich 30 Reedereien. „Langsam kommen wir an die Kapazitätsgrenze“, sagt Jürgen Loch, „vor allem auf dem als Einbahnstraße zu befahrenden Landwehrkanal.“ Wer auf der Weidendammer Brücke steht und die Schiffe zählt, kommt auf 60 pro Stunde – jede Minute also ein Dampfer. Das soll auch in dieser nun beginnenden Saison so bleiben. Unsere Wassertouristik könnte sogar von der Wirtschaftskrise profitieren, indem die Deutschen aus allen Himmelsrichtungen statt ins Ausland in ihre Hauptstadt fahren und hier ein paar Stunden oder einen ganzen Tag auf dem Wasser verbringen, sagt Jürgen Loch. Die Preise für die neue Saison seien unverändert. Und die beliebtesten Routen auch. Nr. 1 ist die einstündige historische Stadtrundfahrt, ebenso beliebt die dreieinhalbstündige „Brückenfahrt“ auf Landwehrkanal und Spree. Die längste Tour fährt in 13 Stunden bis nach Stettin, erstmalig gibt es eine Rundfahrt in die Köpenicker Altstadt oder nach Magdeburg als Kombi-Tour mit Schiff und Bus. Zwei Schiffe wurden erneuert: Die MS Treptow ist nun über sieben Meter länger, die MS Condor moderner.

Die Fremdenführer allerdings werden auf den Booten der Stern und Kreisschifffahrt nicht mehr erklären, was links und rechts im Zentrum zu sehen ist. Bei etwa 70 interessanten Punkten sei dies nicht mehr möglich, weil man diese Fülle nicht in 60 Minuten in mehreren Sprachen erläutern kann. Nun wurden 800 GPS-gesteuerte Audio-Guides angeschafft, klein wie ein MP3-Player – per Tastendruck erklären Profis je nach Wunsch in Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch die Historie und Gegenwart in Berlins Mitte. Aus dem kleinen tragbaren Lautsprecher kommen dann die Erläuterungen zu dem, was da drüben am Ufer vorbeizieht. Es gibt manch Neues zu entdecken in der neuen Saison aller Ausflugsschiffe: Die East-Side-Mauer ist vom Wasser aus durchlöchert wie ein Käse, und wo der Palast der Republik stand, liegt nun, wie ein unbestelltes Feld, gelber Sand. Nur vom Schiff aus liest man, was jemand in Riesenlettern an einen Brückenpfeiler pinselte: „Die DDR hat es nie gegeben.“

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