Berlin : Ausgeraucht

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VON TAG ZU TAG

Werner van Bebber

atmet auf dem Bahnhof Zoo tief durch

Es passt zur Ausgezehrtheit dieser Stadt, dass hier viel mehr geraucht wird als anderswo in Deutschland. Und lange war der Bahnhof Zoo so etwas wie die schwarze Lunge der Raucherhauptstadt. Hier stand der werktätige Berliner Kettenraucher neben dem freischaffenden Berliner Drogenhändler, beide inhalierten tief, sogen dabei die Wangen nach innen, dann stieg der Werktätige in seine S-Bahn und stieß drinnen den Rauch aus, während der Drogenhändler rasselnd hustete, die nächste Zigarette entzündete und auf Kunden wartete. Die Berliner Luft war immer blau gefärbt.

Kaum zu glauben, dass es damit am Bahnhof Zoo vorbei sein soll. Die Bahn als Hausherrin hat diesen baulichen Inbegriff großstädtischer Untugend am Sonntag zum „rauchfreien Bahnhof“ erklärt. Sie begründet den Angriff auf einen der letzen Berliner Rekorde – die „Raucherhauptstadt“ – mit den Kosten für die Kippenentsorgung. Immerhin soll das Rauchen in gewissen „Zonen“ noch zulässig sein – damit ist garantiert, dass es am Zoo auch weiterhin nach blauer Berliner Luft riechen wird. Und die Reinigungskräfte der Bahn müssen um ihre Jobs nicht fürchten: Sie werden bloß keine Kippen mehr aufsammeln, sondern gebrauchte Nikotinpflaster und -Kaugummis.

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