Berlin : Auslandsjobs: Den Horizont erweitern und Berufspraxis sammeln

Annette Kögel

Als Tierpfleger in einem Wildgehege in Windhuk arbeiten, die Konzern-Zentrale von Sony in Tokio kennenlernen oder in der Redaktion der Zeitung "Taschkent am Abend" in Usbekistan recherchieren: Berufserfahrungen im Ausland will jetzt ein neuer Partnerschaftsverein jungen Berlinern ermöglichen. "Chance 2001 e.V." heißt der auf Initiative der Berliner Wohnungswirtschaft gegründete Zusammenschluss, der jungen Leuten Praktika in Berlins 16 Partnerstädten in aller Welt vermittelt - und Ausländern ein Austausch-Praktikum in Berlin. Bislang haben unter anderem die Senatskanzlei, das Bürgermeisteramt Neukölln, Kitas und der Sender Freies Berlin ihre Beteiligung zugesagt - auch der Tagesspiegel prüft derzeit, in welchen Abteilungen Praktikantenplätze angeboten werden können.

Wer im Ausland lebt und arbeitet, verbessert seine Sprachkenntnisse und erweitert seinen Horizont - beruflich wie privat. Diese Erfahrung haben bereits zahlreiche junge Berliner gemacht, die sich auf eigene Faust ein Praktikum in einer der Partnerstädte besorgt haben. Einige jobbten beispielsweise im Büro von Tom LaBonge, dem Pressesprecher der Wasser- und Energie-Betriebe in Los Angeles, Kalifornien. Vom Dach des Hochhauses hat man eine atemberaubende Aussicht auf die 17-Millionen-Metropole. Künftig will der Verein es Berlinern erleichtern, Auslandserfahrungen in Istanbul und Buenos Aires, Prag und Madrid, Jakarta und Moskau, Peking oder Moskau zu sammeln.

"Wir wollen Bewerbern aus mehreren Berufsgruppen im Alter zwischen 18 und 32 Jahren bei der Suche nach einem Praktikantenplatz und einer Gastfamilie helfen", sagt Thomas Mac Pfeifer, Chefredakteur des Wohnungsbau-Magazins "Wohnen in Berlin/Brandenburg" und Vorsitzender von "Chance 2001 e.V.". Noch dieses Jahr sollen die ersten Praktikanten in Berlins älteste Partnerstadt L.A. fliegen - und die ersten Bewerber hierher kommen. Die Praktika umfassen ein bis drei Monate, nach Möglichkeit sollen die Unternehmen ein monatliches Taschengeld in Höhe von etwa 500 Mark zahlen. "Für die Anreise muss man aber selbst aufkommen", sagt Mac Pfeifer weiter.

Bevor die Interessenten die vorübergehende Stelle im Ausland bekommen, müssen sie sich zunächst einem Vorstellungsgespräch im frisch bezogenen Büro des Partnerschaftsvereins stellen. Thomas Mac Pfeifer: "Wir wollen uns die Leute gern anschauen und sehen, ob sie zu uns passen." Bei Bewerbern aus dem Ausland seien gute Deutschkenntnisse Voraussetzung. Sowohl bei den Praktikantenstellen als auch bei der Unterbringung zeigt sich "Chance 2001 e.V." flexibel: "Wenn eine Firma nur einen Job, aber keine Unterkunft anbieten kann, werden wir uns um Gastfamilie oder Wohnung kümmern." In Berlin wird das vermutlich problemlos gelingen. "Die gesamte Wohnungswirtschaft steht hinter uns."

Zu den Gründungsmitgliedern des Vereins gehören Frauke Gust vom SFB-"Stadtradio 88acht!", Norberst Holst (Hotel am Kurfürstendamm), Karin Petzold (Stadt und Land), Heinz-Gerd Reese (Stiftung Luftbrückendank), Gisela Schur (Wohnen in Berlin/Brandenburg) und Henryk Tabaczynski, Geschäftsführer der Marketing-Gesellschaft der Wohnungsbauunternehmen GfÖ. Einige dieser Firmen haben sich bereits als Sponsoren angeboten. Dieser Tage startet eine Leserreise des Mietermagazins nach Windhuk in Namibia - den Trip werden die Teilnehmer auch nutzen, um die ersten Austausch-Jobs in Afrika zu akquirieren.

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