Ausstand bei der BVG : Auf Streikposten

Die Ersten wachen um 4.30 Uhr vor den Busdepots Es wird ein langer Arbeitskampf, sagen die BVGer.

Sigrid Kneist

Am Busdepot an der Wilmersdorfer Cicerostraße ist sofort zu sehen, was Sache ist. Vor dem verschlossenen Tor flattert am Fahnenmast das rote Banner der Gewerkschaft. Kein Bus wird heute den Hof verlassen. Dafür sorgen Männer wie Dirk Klakow, der in einer Gruppe mit vier Kollegen in der Kälte steht. Am Morgen um 4.30 Uhr hat der 34-Jährige den Streikposten bezogen. Klakow ist seit einem guten Jahr bei der BVG und seit der Zeit Verdi-Mitglied. Er gehört zu den Neubeschäftigten, die von ihren 1650 Euro Gehalt gerade einmal 1000 bis 1100 Euro netto nach Hause bringen. Das wenige Geld empört ihn, zumal er davon noch 245 Euro Unterhalt für seinen sechsjährigen Sohn zahlen muss.

Der Streik ist richtig, da ist er sich mit seinen Kollegen einig. „Für das Geld Bus zu fahren, macht eigentlich keinen Spaß“, sagt Boris Malanowski. „Dabei war Busfahrer immer mein Traumberuf.“ Aber der Job verlange Verantwortung, bringe wechselnde Schichten mit sich, außerdem fahre jetzt nach den vielen Übergriffen auch die Angst mit, das sei belastend.

Heftige verbale Bedrohungen haben sie in ihrer noch kurzen Berufszeit alle schon erlebt. Auch dass man angespuckt wird. „Das ist doch fast schon an der Tagesordnung“, sagt Klaus Belling. Die Männer sind alle über die Arbeitsagentur zur BVG gekommen. Sie hatten einen Weiterbildungsgutschein, mit dem sie einen rund dreimonatigen Lehrgang zum Busfahrer absolvieren konnten.

Reibereien zwischen ihnen und den Alt-Beschäftigten, die doch bedeutend mehr als sie selber verdienen, gebe es nicht, wird versichert. Es sei auch selbstverständlich, dass diese ebenfalls mehr Geld forderten. Sie hätten schließlich beim Tarifvertrag 2005 auch erhebliche Einbußen hingenommen. Die Männer gehen auf jeden Fall davon aus, dass der Streik lange dauern wird. Die nächsten zehn Tage haben sie schon einkalkuliert.

Mit einem harten Arbeitskampf rechnet auch Claus-Peter Geiler, Personalrat und schon seit mehr als 30 Jahren als Omnibusfahrer bei der BVG. Er gehört zur Streikleitung und ist seit Dienstagabend 22 Uhr am Ort, als die ersten Mitarbeiter in den Werkstätten die Arbeit niederlegten. Im Streiklokal an der Ecke, einer griechischen Kneipe, schaut er nach, ob alles läuft.

Die Streikhelfer, bei denen sich die Beschäftigten melden müssen, damit sie Streikgeld bekommen, vermelden keine Probleme. Einige hundert BVGer haben sich bis zum Mittag dort schon eingetragen. Der Gastraum ist gut gefüllt; die Fahrer – viele tragen trotz des Streiks ihre BVG-Uniform – wärmen sich an Kaffee und Tee. Das Lokal hat für die Zeit des Streiks rund um die Uhr geöffnet. Und Geiler ist überzeugt, dass das lange so bleiben wird – solange Finanzsenator Thilo Sarrazin sich nicht bewegt. Sigrid Kneist

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