Ausstellung : Prinzen, Exzellenzen und ein genesender Patient

Die Königliche Porzellan-Manufaktur lebt auf und eröffnet die "KPM-Welt".

Ralf Schönball
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Alles Handarbeit. Eine Künstlerin bemalt einen Teller mit einem Blumenmotiv. -Foto: dpa

BerlinAls der Bankier Jörg Woltmann ans Mikrophon vor der Ringofenhalle der Königlichen Porzellan-Manufaktur tritt, da tut sich der Himmel auf, und die Sonne scheint zur Eröffnung der „KPM-Welt“, einer Dauerausstellung über die Geschichte des KPM-Porzellans. Etwa 300 Gäste drängen sich auf dem roten Teppich vor dem Café. „Vor eineinhalb Jahren war die KPM klinisch tot“, sagt Woltmann. Doch man habe den Patienten wiederbelebt, er habe die Intensivstation verlassen und befinde sich in der Rehaklinik.

Über seine Manufaktur spricht der Mann mit dem weißen Einstecktuch und dem modisch-pinken Binder in einer Mischung aus Respekt für die Aufgabe und Stolz über die Tradition: „Sieben Könige und Kaiser haben die KPM besessen“, sagt er – nun also der Bankier Woltmann. Und dem verderben „hohe Investitionen und operative Verluste“ nicht die Laune. Denn „vormittags verdiene ich in der Bank das Geld, das ich nachmittags hier investiere“, sagt er.

Die launische Rede kommt gut an. Im Erfolg des Bankiers – Woltmann verdoppelte die KPM-Exporte innerhalb eines Jahres – sonnt sich auch Wirtschaftssenator Harald Wolf. Ausgerechnet einem Politiker der Linken ist es zu verdanken, dass das aristokratische Erbe nicht zerschlagen wurde: Wolf setzte sich gegen Widerstände in Senat und Parteien gegen die Liquidierung des früheren Landesbetriebes ein und ging auf Investorensuche.

„Ich hoffe, der Patient kommt in der Reha gut voran“, greift Wolf Woltmanns Worte auf. Er spricht von einem „glaubwürdigen Engagement“ des Bankiers, der mit „eigenem Geld ins Risiko geht“ und so „ein Kulturgut der Stadt“ erhält.

Unter den Gästen ist auch Hans Wall, Berlins prominenter Stadtmöblierer: „Die KPM ist jetzt in guten Händen“, lobt auch er Woltmanns Arbeit.Wall wollte vor zwei Jahren selbst die Manufaktur übernehmen. Nun aber freut er sich für seinen damaligen Wettbewerber: „Es gibt schließlich eine Solidarität unter Berliner Unternehmern“, sagt er.

Neben Wall steht SPD-Landeschef Michael Müller. Der sichert Woltmann die Unterstützung seiner Partei zu: „Die KPM-Teller mit dem Brandenburger Tor und der Porzellan-Knut zählen zu unseren Fraktionspräsenten“, sagt Müller. Gästen wird in seinem Büro der Kaffee in KPM-Tassen der Kurland-Reihe serviert – „beim Regierenden Bürgermeister übrigens auch“, sagt Müller.

Harald Wolf ist es, der das blaue Band zur offiziellen Eröffnung der Ausstellung durchschneidet. Zusammen mit Woltmann tritt er als Erster in die Ausstellungsräume. Am Eingang reißt der aufkommende Wind eine KPM-Fahne um. Die „roten Riesen“ beeindruckt das nicht: Die Männer vom militärischen Traditionsverein Potsdam halten in der Uniform des Regimentes Nr. 6 des Soldatenkönigs das preußische Erbe hoch.

Unter den Gästen ist auch Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen, Prinzessin Diana von Sachsen – und viele Exzellenzen. Jane Williams-Boock, Vizepräsidentin des Berliner Diplomatenclubs beim Auswärtigen Amt, erklärt, warum sie einige von ihnen hergelotst hat: „Wir zeigen den Botschaftsmitgliedern alle Facetten Berlins, die KPM gehört dazu“, sagt sie. Ani Arjoca aus der rumänischen Botschaft berichtet, dass KPM-Porzellan zu den Gastgeschenken rumänischer Diplomaten zählt.

Im Labyrinth der Ofenhalle haben Wolf und Woltmann die Rokoko-Tafel im Boccherini-Saal erreicht: „Hier können Sie eine Senatssitzung machen“, schlägt Woltmann vor – „vielleicht gehen wir hier in Klausur“, antwortet Wolf schlagfertig. „Gratuliere!“ sagt der Senator als der Rundgang im 1000 Quadratmeter großen Verkaufsraum endet. Der hat sich mit Gästen und Besuchern gefüllt. Die KPM ist wieder in der Mitte Berlins angekommen. Ralf Schönball

Die Adresse: Geöffnet ist die „KPM-Welt“, Wegelystraße 1 am Tiergarten, heute und morgen von 10 Uhr bis 20 Uhr.

Die Karten: Die Tickets kosten zehn Euro, die allerdings bei einem Einkauf gutgeschrieben werden.

Die Show: Zu sehen ist Porzellan aus drei Jahrhunderten und sieben Museen. Und: Die Porzellanherstellung.

Der Chef: Inhaber der Königlichen Porzellan- Manufaktur ist seit Februar 2006 der Berliner Privatbankier Jörg Woltmann. ball

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