Berlin : Autonome Aktionen: Widerstand gegen Castor-Transport erwartet

Werner Schmidt

Die linke Szene mobilisiert für den Widerstand gegen den Ende des Monats erwarteten Castor-Transport nach Gorleben. Jetzt bekommen die Autonomen unerwartet Verstärkung: Auch Rechte kündigten in der Region Lübeck an, sich gegen den Castor-Transport zur Wehr setzen zu wollen. Dabei soll sogar die Rede von einer "hemmungslosen Solidarisierung" mit den linken Autonomen sein. Dass auch in rechtsextremen Gruppierungen aus Berlin Widerstand gegen die Castor-Transporte laut wird, davon ist den hiesigen Sicherheitsbehörden allerdings nichts bekannt.

In Nummer 520 der Szene-Zeitschrift "Interim" der Berliner Autonomen ist der Ablauf des Protestes und Widerstands beschrieben. Danach wird es innerhalb der letzten 70 bis 75 Kilometer entlang der Transporttrasse des Castors zwischen Lüneburg und Gorleben - allerdings nicht näher beschriebene - "Aktivitäten" geben. Für den 24. März ist die zentrale Auftaktveranstaltung in Lüneburg geplant. "Mit Kind und Kegel - als bunt und vielfältig, nichtsdestotrotz auch politisch entschlossen": so das Konzept dieser Veranstaltung. Anschließend ist die Fahrt von Lüneburg aus in die verschiedenen Protestcamps entlang der Transportstrecke geplant.

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In der Vergangenheit hatten sich an den Protesten nicht nur zahlreiche Atomgegner aus Berlin beteiligt. Auch in der "grünen Gegenbewegung" - also auf Seiten der Polizei - waren viele Polizisten aus Berlin eingesetzt. Sie waren in der Vergangenheit immer wieder in die Schlagzeilen geraten, weil sie angeblich oder auch tatsächlich besonders hart gegen Demonstranten vorgegangen waren.

Ein Ziel des Protestes ist es, das Verladen der Castorbehälter zu verzögern, wenn möglich gar zu verhindern. Als vermutlichen Termin für den Transport nehmen die Autonomen den 27. und 28. März an. "Tag X" heißt der Termin in der Terminologie der Autonomen: "Hier wird sich zeigen, wie gut ein dezentrales Blockadekonzept über 70 Kilometer funktioniert. Falls es nicht klappt, kommt es zur Verladung der Castoren in Dannenberg", wird in der Interim gewarnt.

Gleichzeitig wird in der Szenezeitschrift eine ausführliche Bauanleitung für so genannte Hakenkrallen geliefert, die auf die Oberleitungen der Bahnstrecken gehängt werden sollen. Die Krallen verfangen sich im Stromabnehmer der Lokomotiven und beschädigen diese so, dass der Zug nicht weiterfahren kann. Häufig zerreißt dabei auch die Stromleitung und die Strecke muss für die Dauer der Reparaturarbeiten stillgelegt werden: "Wir müssen zwangsläufig damit rechnen, dass es dazu kommen kann", sagte gestern ein Beamter des Staatsschutzes der Berliner Polizei auf Anfrage.

Nach Auffassung des Staatsschützers wird es keine gemeinsamen Aktionen von Rechten und Autonomen geben: "Ich halte es für Berliner Verhältnisse für ausgeschlossen." Es sei bisher nichts bekannt geworden, dass rechte Gruppen aus Berlin sich ebenfalls gegen Castortransporte engagieren oder sich in der rechten Szene eine Anti-AKW-Bewegung formiere. Lediglich leichte Anti-US-Amerikanische Reaktionen und eine Pro-Irakische-Stimmung seien nach der Bombardierung des Irak registriert worden, sagte der Beamte.

Erste Reaktionen auf den bevorstehenden Castor-Transport waren Anschläge auf zwei Autos der Deutschen Bahn. Am 27. Februar waren am Werkstättenring in Halensee zwei Pkw der Bahn in Brand gesetzt worden. Am selben Tag waren auch in Kassel zwei Pkw der Bahn niedergebrannt worden.

Der Anschlag auf ein Fahrzeug der Firma Siemens, das gestern früh in Friedrichshain niedergebrannt worden war, wird ebenfalls Autonomen zugerechnet. Ein Bekennerschreiben wurde bisher aber noch nicht gefunden. So ist noch unklar, ob das Motiv für diese Tat möglicherweise ebenfalls gewaltsamer Protest gegen den Castor ist oder ob andere Aktivitäten des Siemens-Konzerns Hintergrund des Brandanschlags sind.

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