Berlin : Bagger zwischen Olympia und Pompeji

Helmut Caspar

Sie waren nur zufällig bei Ausschachtungsarbeiten für eine Tiefgarage gefunden worden: Reste des 1913 von Otto March errichteten "Deutschen Stadions". Die bis jetzt tief im Erdreich verborgenen, rund fünf Meter hohen Betonsäulen und rot bemalten Wände erinnern an pompejanische Bauten. Nach ihrer Ausgrabung in den vergangenen Tagen wurden sie gestern präsentiert.

Im Zusammenhang mit dem monumentalen Neubau des Olympiastadions vor den Olympischen Spielen von 1936 waren die aus der Kaiserzeit stammenden Sportstätten großenteils eingeebnet worden, erklärte Peter Lemburg vom Landesdenkmalamt bei der Besichtigung der Fundstücke. Dass nicht alle alten Säulen und Wände beim Stadionneubau ab 1934 abgerissen, sondern nur mit Sand verfüllt wurden, habe möglicherweise nicht nur Kostengründe gehabt. Der vorsichtige Umgang mit den Vorgängerbauten von 1913 könnte auch eine Reverenz an den Architekten Otto March gewesen sein, dessen Sohn Werner den Bau des Reichssportgeländes, auf dem 1936 die Olympischen Spiele mit großem propagandistischen Aufwand zelebriert wurden, geplant und geleitet hatte.

Die aufwändig gestalteten Sportanlagen aus der Kaiserzeit waren mit Blick auf die für 1916 nach Berlin vergebenen Olympischen Spiele gebaut worden. Sie wurden aber dafür nicht gebraucht, weil inzwischen der Erste Weltkrieg tobte.

Wie Senatsbaudirektor Hans Stimmann sagte, könne man die Fragmente nicht in die künftige Tiefgarage integrieren, zumal die Zeit für den Neubau dränge. Daher lasse das Landesdenkmalamt die sieben Säulen aus ihren Verankerungen heben und zunächst zwischenlagern. Wenn die Generalsanierung des Olympiastadions abgeschlossen ist, sollen die sie als Erinnerung an den Vorläufer des in der NS-Zeit auf den Fundamenten des Deutschen Stadions errichteten Olympiastadions aufgestellt werden.

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