Bahn-Streik : Kein Verkehr auf der Schiene - dafür volle Straßen

Beim heutigen Bahnstreik rechnen Fachleute wieder mit langen Stauzeiten für Autofahrer.

Klaus Kurpjuweit
Bahnstreik
Nichts geht mehr am Hauptbahnhof: Am Dienstag streiken erneut die Lokomotivführer. -Foto: ddp

Verstopfte Straßen und volle Fahrzeuge bei der BVG werden auch heute die Folgen des Streiks der Lokführer bei der Bahn AG sein. Zwischen 8 Uhr und 11 Uhr sollen keine S-Bahnen und keine Fern- und Regionalzüge fahren. Anders als bei der ersten Aktion vor einer Woche will die Gewerkschaft der Deutschen Lokomotivführer (GDL) zumindest die Pendler einigermaßen schonen. Sie könnten meist rechtzeitig zur Arbeit kommen, weil der Streik „erst“ um 8 Uhr beginne, heißt es bei der GDL.

Vor allem auf den Zufahrtsstraßen nach Berlin werde es trotzdem wieder Staus geben, befürchtet man bei der Traffic Service Berlin, die die Straßen aus dem Flugzeug überwacht. Die Hauptverkehrszeiten haben sich nach Angaben eines Sprechers mittlerweile auf die Zeit zwischen 7.30 Uhr und 9 Uhr verschoben. Damit ist zumindest ein Teil des Berufsverkehrs vom Streik betroffen.

Vor allem ein Teil der täglich etwa 107 000 Fahrgäste im Regionalverkehr hat fast keine Alternative. So bleibt meist nur das Auto – sofern es vorhanden ist. Beim Streik am vergangenen Dienstag war die Stadtautobahn zum Teil so voll, dass vorübergehend sogar Auffahrten gesperrt werden mussten. Auf dem Stadtring standen Autos bis zu einer Stunde im Stau. Auf Stadtstraßen dauerten Fahrten, die sonst in zehn Minuten zurückzulegen sind, nach Angaben von Traffic Service bis zu 45 Minuten. Ähnliches erwartete der Sprecher auch heute, obwohl ein Teil der Berliner bereits in Urlaub gefahren sei, was gestern an der Zahl der freien Parkplätze zu sehen gewesen sei.

Wer heute mit der Bahn in die Ferien aufbrechen will, wird besonders unter dem Streik leiden. Da etwa drei Viertel der Lokführer in der GDL organisiert sind, kann die Gewerkschaft den Verkehr weitgehend lahmlegen. Nur vereinzelt war es der Bahn gelungen, beim Streik vor einer Woche Züge fahren zu lassen.

Züge, die vor 8 Uhr unterwegs sind, sollen nicht auf freier Strecke halten. Die streikenden Lokführer sollen in jedem Fall die Fahrt erst in einem Bahnhof beenden. Dort müssen die Fahrgäste dann auf das Ende des Streiks warten oder sich nach einer Alternative umsehen. Den Weg durch die Luft hatten vor einer Woche aber nur wenige gewählt. Auf den Berliner Flughäfen hatte es keinen zusätzlichen Andrang gegeben.

Während der Regionalverkehr nach Angaben der Bahn etwa zwei Stunden nach Streikende wieder einigermaßen planmäßig laufen kann, muss man beim Fernverkehr den ganzen Tag über mit Verspätungen rechnen. Züge können auch komplett ausfallen.

Wer einen preisgünstigeren Fahrschein gekauft hat, der an einen bestimmten Zug gebunden ist, kann heute auch in einen anderen Zug steigen. Die Zugbindung ist nach Angaben eines Bahnsprechers aufgehoben. Fahrscheine können auch zurückgegeben werden, ohne dass die sonst üblichen Gebühren fällig werden. Und selbst wer schon im Zug sitzt und feststellt, dass das Ziel streikbedingt nicht mehr zu erreichen ist, kann die Fahrt unterwegs abbrechen und zurückfahren. Auch dann erstatte die Bahn den Ticketpreis, sagte der Sprecher.

Die BVG erwartet wieder vollere Bahnen und Busse. Da der Bahnverkehr aber erst um 8 Uhr stoppen wird, werde es wohl keine Überfüllungen geben, hieß es bei der BVG. Vor einer Woche war es vor allem in der Zeit gegen 7 Uhr nicht allen Fahrgästen gelungen, in überfüllte Züge noch einzusteigen. Reserven hat die BVG kaum noch, so dass vor einer Woche auch auf nachfragestarken Linien wie der U 2 zwischen Alexanderplatz und Zoo, wo sie heute die S-Bahn und den Regionalverkehr ersetzen muss, teilweise nur Züge mit sechs statt der üblichen acht Wagen fahren konnten. (Seiten 1 und 15)

Weitere Informationen unter

www. bahn. de und www.bvg.de

sowie www.vbbonline.de

Infotelefon der Bahn: 0800 99 66 33

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