Berlin : Bahn will nur noch wenige Bahnhöfe behalten

Verkauf wird fortgesetzt: Nach der S-Bahn-Station Mexikoplatz wechselt jetzt auch Lichterfelde West den Eigentümer. Nun soll die Miete steigen

Klaus Kurpjuweit

Eine Bahn ohne Bahnhöfe – in Berlin geht das gut. Nach der S-Bahn-Station Mexikoplatz ist jetzt auch der S-Bahnhof Lichterfelde West verkauft worden. Und nach dem Willen der Bahnoberen sollen weitere Stationen den Eigentümer wechseln, wenn sich denn Käufer finden.

Fahrgäste werden den Wechsel kaum spüren, denn trennen will sich die Bahn vor allem von den Stationen, die sie ohnehin nicht mehr selbst nutzt. In Lichterfelde West führen die Wege zum Bahnsteig längst um das Gebäude herum. Wer durch den Bahnhof geht, kann den Weg zwar ein wenig abkürzen; man findet dort aber auch ein Bistro und einen Blumenladen. Sowie den Bürgertreffpunkt des Bezirksamts Steglitz-Zehlendorf.

Die Zukunft des Treffpunkts ist nun aber ungewiss geworden. Der neue Eigentümer, der sich noch nicht zu erkennen geben will, hat bereits eine Mieterhöhung für die Räume angekündigt. Der Bezirk bezweifelt, ob er das Geld auftreiben kann. Gelingt es nicht, wäre der Bürgertreffpunkt an dieser Stelle am Ende.

Obwohl die Stationen für die Bahn seit Jahren Verlustbringer sind, will ein privater Eigentümer jetzt aber Geld mit ihnen verdienen. Und das ist in der Regel nur möglich, wenn viele Flächen als Läden genutzt und vermietet werden können. Von der alten Bahnhofsatmosphäre bleibt dann wenig oder nichts übrig.

Auch beim Eigentümer-Wechsel am Bahnhof Mexikoplatz blieb vor Jahren eine renommierte Buchhandlung auf der Strecke. Heute gibt es im Bahnhof unter anderem einen Backwarenverkauf, einen Fleischer, einen Obststand und ein Bistro mit Bar. Nach Ladenschluss um 20 Uhr bleiben die Türen zur einstigen Empfangshalle des Bahnhofs dicht. Ein kleines Schild weist unkundige Fahrgäste darauf hin, dass der Weg zu den Zügen dann nur noch über den Seiteneingang möglich ist.

Hinweise, dass sich hinter der Jugendstilfassade des Gebäudes ein S-Bahnhof verbirgt, sind rar. Nur unter den Schildern für die Bäckerei, den Fleischer und die Bistro-Bar ist noch ein kleines S-Bahn-Signet angebracht. Ein größeres findet sich noch an einem Brückenpfeiler vor dem Seiteneingang.

Dies immerhin ist in Lichterfelde West einfacher, weil der Weg zu den Zügen nicht zwangsläufig durch den Bahnhof erfolgen muss. Der Bau kann dann eine ganz andere Funktion übernehmen. Wie der Bahnhof Mexikoplatz gehört auch Lichterfelde West zu den architektonisch attraktiven Stationen im Netz der S-Bahn. Der zweigeschossige Bau aus gelben Ziegeln sowie der dreigeschossige Uhrenturm waren1872 im Stil einer italienischen Belvedere-Villa errichtet worden. Zum Verkaufspreis gab es keine Angaben.

Die S-Bahn selbst kann ihre Kasse damit nicht auffüllen, denn zuständig ist sie nur noch für wenige der 165 Stationen in Berlin und Brandenburg. Die meisten gehören entweder zum Bereich Station & Service oder zur Vivico Real Estate, die zum Bundeseisenbahnvermögen gehört. Sie verwaltet die nicht betriebsnotwendigen Anlagen der Bahn, zu denen neben Lichterfelde West weitere 13 S-Bahnhöfe gehören. Den Verkaufsschalter in Lichterfelde West hatte die S-Bahn schon vor langem auf den Bahnsteig verlegt.

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