Berlin : Bahnchef Mehdorn verbannt Raucher

Im Ostbahnhof darf ab heute nicht mehr geraucht werden, aber Sanktionen gegen Verstöße sind kaum möglich. Die Bahn hofft auf Einsicht

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Von Klaus Kurpjuweit

Bahnchef Hartmut Mehdorn raucht nicht. Von heute an sollen auch seine Fahrgäste nicht mehr zur Zigarette greifen. Der Ostbahnhof wird als erste Station in Berlin zum (Fast-) Nichtraucherbahnhof. Alexanderplatz, Friedrichstraße und Zoo sollen in den nächsten Wochen folgen. Ganz aufs Qualmen verzichten müssen die Fahrgäste aber nicht - auf den Bahnsteigen wird es „Raucherinseln“ geben.

Positiv waren für die Bahn die Erfahrungen mit dem ersten rauchfreien Bahnhof. Für den Versuch im vergangenen Jahr hatte Mehdorn Bonn ausgewählt. Es sollte ein Bahnhof sein, auf dem es Service-Personal gibt, der überschaubar ist und trotzdem den Rang eines Hauptbahnhofes habe, sagte gestern der Sprecher der Bahn in Nordrhein-Westfalen, Torsten Nehring.

Wo nicht geraucht werden soll, hat die Bahn konsequent die Aschenbecher entfernen lassen, dort gibt es nur noch Behälter für anderen Abfall. Mitarbeiter hätten Raucher freundlich auf das Verbot hingewiesen, das dann in den meisten Fällen befolgt worden sei, so Nehring weiter. Damit Raucher nicht lange Wege zu den Aschenbechern auf den „Raucherinseln“ zurücklegen müssen und damit sie ihre Kippen nicht einfach wegwerfen, bieten ihnen die Mitarbeiter eine Entsorgung an – Faltaschenbecher. Zusammengefaltet sind sie nicht größer als eine Scheckkarte, geöffnet passt auch der Inhalt einer Pfeife hinein. Als Ersatz für die Zigarette erhalten Raucher zudem Bonbons oder Gummibärchen. Die Raucherinseln sind so platziert, dass für Raucher und Nichtraucher die Wege zum Zug in der Regel gleich lang sind.

So soll es auch auf zunächst bundesweit insgesamt 63 Stationen funktionieren. Alexanderplatz, Friedrichstraße und Zoo sind vorläufig nicht dabei, weil es Lieferprobleme mit Schildern und Aschenbechern gegeben habe, sagte der Berliner Bahnsprecher Burkhard Ahlert. Im Ostbahnhof war der Aufwand nicht ganz so groß, denn die Haupthalle und die Passage sind seit dem Umbau im Sommer 2000 bereits rauchfreie Zone. Die Kunden hätten dies akzeptiert, sagte Ahlert, Beschwerden habe es nicht gegeben.

Die Bahn ist überzeugt, dass auf den Bahnhöfen tatsächlich weniger geraucht werden wird. Die BVG hat dies nicht geschafft. Dabei hat sie zahlreiche Varianten versucht. Mal entfernte sie die Aschenbecher, mal baute sie die Behälter wieder auf. Allerdings gibt es bei der BVG auch nur in Ausnahmen Personal auf den Bahnhöfen, das die Raucher direkt ansprechen könnte. Die Bahn richtet rauchfreie Bahnhöfe dagegen nur dort ein, wo es auch Servicepersonal gibt.

Ähnlich macht es die S-Bahn. Rauchverbote gibt es bisher nur auf den Stationen im Tunnel, von denen die meisten derzeit wegen Bauarbeiten geschlossen sind. Die Zahl der Raucher sei seit Beginn der Aktion im vergangenen Oktober deutlich zurückgegangen, sagte S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz. Qualmfrei werden nun auch die Bahnsteige der S-Bahn, die in Nichtraucher-Stationen der „großen“ Bahn liegen.

Sanktionen sind nach geltendem Recht derzeit nicht möglich. Die Bahnen können aber auf ihr Hausrecht verweisen und chronische Verschmutzer mit einem Reinigungsentgelt in Höhe von 20 Euro belangen. Das Entfernen der Kippen verschlingt jährlich eine Millionensumme. Die S-Bahn setzt dafür sogar extra einen Staubsaugerzug ein.

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