Berlin : Bank-Immobilientochter legt Angebot für landeseigene Wohnungsbaugesellschaft vor

Eva Schweitzer

Gleicher Kaufpreis wie Gehag - Grüne meinen, Mieterschutz sei nicht garantiertEva Schweitzer

Die Immobiliengesellschaft der Bankgesellschaft Berlin (IBG) hat ihr Angebot präzisiert, die GSW zu kaufen: Man wolle für die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft den gleichen Quadratmeterpreis bieten, den Berlin beim Verkauf der Gehag erzielt hat. So steht es in einem IGB-Schreiben, das dem Tagesspiegel vorliegt. Dem Vernehmen nach will die IBG 1,5 Milliarden Mark bieten.

Die Gehag wurde 1998 für 950 Millionen Mark veräußert. Die Gesellschaft hat allerdings nur 44 000 Wohnungen, während die GSW über 70 000 Wohnungen verfügt. Die IBG bietet zudem an, die Aufsichtsratsgremien so zu besetzen, als gehörten dem Land noch 25,1 Prozent. Die GSW soll als Gesellschaft erhalten bleiben, jedoch sollen in den nächsten zwei bis drei Jahren den Mietern ihre Wohnungen "zu Preisen am unteren Rand des Marktüblichen zum Kauf angeboten" werden. Die IBG ist eine Tochter der Bankgesellschaft Berlin, an der das Land Berlin die Mehrheit hält.

Beschlusslage des Senats ist eigentlich, dass die GSW ausgeschrieben wird. Nun hatte Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) vor kurzem die IBG ins Gespräch gebracht, die CDU ist jedoch strikt dagegen. Die Senatsfinanzverwaltung sucht gerade eine Investmentbank aus, die den Verkauf abwickelt, darüber soll Anfang April entschieden werden. Bei der Ausschreibung könne sich die IBG bewerben, aber man werde nicht "auf Zuruf" veräußern, hieß es von der Pressestelle. Zu Preisvorstellungen wollte man sich nicht äußern. Bisher war immer von 1,8 Milliarden Mark, wenn nicht sogar zwei Milliarden die Rede gewesen.

Im Papier der IBG heißt es weiter, durch den Verkauf der GSW und der Gewobag - dies ist ebenfalls beabsichtigt, aber noch nicht beschlossen - sinke der Anteil an landeseigenen Wohnungen im Westteil der Stadt auf zwölf Prozent des Gesamtbestandes. Dies sei das Niveau von München und weit unter dem von Hamburg. Mit dem Angebot der IGB wäre nicht nur der Mieterschutz gewährleistet, auch die Interessen der Beschäftigten blieben gewahrt.

Von der GSW hieß es, der Vorschlag biete eine interessante Perspektive. Die SPD will den Verkauf an die IBG prüfen. Die Grünen sehen dies eher kritisch. Die baupolitische Sprecherin Barbara Österheld wies darauf hin, dass bei einem Kaufpreis von 1,5 Milliarden Mark für die einzelne Wohnung nur etwas mehr als 20 000 Mark erzielt würden. Zudem sei es für das Land Berlin problematisch, wenn die guten Bestände verkauft würde, die verschuldeten Gesellschaften hingegen in Landesbesitz blieben. Österheld bezweifelt außerdem, ob sich die IBG tatsächlich an die versprochenen Mieter- und Arbeitnehmerrechte gebunden fühlt. Möglicherweise benötige die Immobilientochter nur die guten GSW-Bestände, um die sanierungsbedürftigen Wohnungen der Aubis-Gruppe in Brandenburg, die sie übernommen hat, im Paket verkäuflicher zu machen.

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