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Bankautomaten in Berlin und Brandenburg gesprengt : Polizei knackt Bande der Panzerknacker

Wie die Panzerknacker waren sie unterwegs, leerten Panzerschränke und Geldautomaten in Berlin und Brandenburg. Am Donnerstag wurde die Bande von der Polizei gefasst.

von und Katharina Wiechers

Als die Polizeibeamten in der Nacht vom 25. auf den 26. Mai an den Tatort kamen, war es schon zu spät: Die Geldkassette aus dem Automaten an der Commerzbank im Kleinmachnower Uhlenhorst war weg, Fenster und Türen zerborsten, der Boden mit Bankbelegen und Geldscheinen übersäht. Obwohl die Polizisten nur wenige Minuten nach dem Alarm durch den Wachschutz eingetroffen waren, war von den Tätern keine Spur mehr. Videoaufnahmen gab es auch keine – die Überwachungskamera war mit dunkler Farbe besprüht.
Doch nun scheint klar zu sein, dass der Anschlag in Kleinmachnow auf das Konto einer siebenköpfigen Panzerknacker- Bande geht. Am Mittwoch hat die Gemeinsame Ermittlungsgruppe Berlin-Brandenburg des Landeskriminalamtes sechs der Verdächtigen aus Potsdam und Berlin festgenommen. Dem Siebten waren bereits andere Straftaten zum Verhängnis geworden – er sitzt bereits seit einem Jahr im Gefängnis.
Insgesamt sollen die Männer im Alter zwischen 21 und 58 Jahren seit Ende 2010 mindestens 23 Panzerschränke und Geldautomaten in Berlin, Brandenburg und Thüringen geleert haben. Dazu brachen sie unter anderem in Autohäuser, Cafés und Geschäfte ein und räumten die Tresore aus – oder schleppten diese einfach davon. Als lukratives Nebengeschäft hatten es die Räuber auch auf Geldautomaten abgesehen. Laut Polizei sollen sie in fünf Fällen Bankautomaten in Berlin und Brandenburg gesprengt haben. Dazu wird ein Gasgemisch, meist Wasserstoff, Propangas oder Acetylen in Verbindung mit Sauerstoff, in den Geldautomaten eingeleitet und durch einen elektrischen Fernzünder zur Detonation gebracht. Dabei wurden jedes Mal auch die Schalterräume der Banken und Sparkassen verwüstet – eine davon war nach Angaben der Potsdamer Staatsanwaltschaft die Landesbank Berlin in Lichterfelde. Die anderen Male schlutgen sie in Nuthethal und in Thüringen zu.
Die Methode ist nicht neu, erst Ende Juni hatte es eine ganze Reihe solcher Anschläge in Berlin gegeben und vor zwei Jahren eine ganze Serie von Sprengungen in Berlin und Brandenburg.


Der Erfolg solcher Aktionen ist allerdings vom Automatentyp abhängig. Auch die jetzt aufgeflogenen Panzerknacker hatten solche Sprengungen vermutlich viel öfter versucht, bei der Potsdamer Staatsanwaltschaft weiß man von mindestens zwei Fällen in Berlin, bei denen die Sprengung fehlschlug. Trotzdem gelang es der Bande nach Angaben der Staatsanwaltschaft, über die vergangenen drei Jahre Bargeld und Schmuck im Wert von mehr als 300 000 Euro zu erbeuten. Einen Teil des Geldes haben sie offenbar in teure Fahrzeuge und hochwertigen Schmuck angelegt: Bei den Durchsuchungen am Mittwoch fanden die Ermittler – neben einer ganzen Reihe von Tatwerkzeugen und technischem Equipement – auch einen Teil des Diebesgutes. Darunter 8000 Euro Bargeld und vier Autos.
Aus welchem Umfeld die Männer kommen, konnte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag nicht sagen. Klar ist aber: Von den sechs am Mittwoch verhafteten Verdächtigen lebten vier in Potsdam, einer in Geltow und einer in Berlin-Pankow. Drei von ihnen kommen laut Potsdamer Staatsanwaltschaft aus Osteuropa – aus Kasachstan und der Ukraine – von den anderen drei sollen zwei aus Potsdam und einer aus Berlin stammen. Neben den Privatwohnungen der Verdächtigen wurden auch weitere Immobilien durchsucht. Laut Staatsanwaltschaft handelte es sich dabei teils um Firmen, bei denen einige der Täter beschäftigt waren, teils um die Firmen und Geschäfte, die von ihnen ausgeraubt wurden. Auch hier hofften die Beamten, noch Spuren sichern zu können.
100 Polizisten aus Brandenburg waren im Einsatz, darunter Beamte des Landeskriminalamtes (LKA), der Brandenburger Polizeidirektion West und der Spezialeinheiten. Verstärkung kam vom auch Polizeipräsidium Westhessen – und vom Hauptzollamt Bremen. Dort hatte das LKA eigens einen Banknotenspürhund für die Razzia angefordert.
Neben den besonders schweren Diebstählen wird den Männern auch das Herbeiführen von Sprengstoff-Explosionen vorgeworfen – nicht nur an den Bankautomaten. Nach PNN-Informationen soll die Bande auch einmal ein Auto angezündet haben, womöglich um Spuren zu verwischen.

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