BARACK OBAMA IN BERLIN : Mit der Limousine zum Fitnessstudio

Bevor der US-Senator seine Rede hielt, trieb er Sport im Hotel Ritz Carlton. 1000 Polizisten sicherten sein Besuchsprogramm. Der Tag mit dem designierten US-Präsidentschaftskandidaten.

Jörn Hasselmann
Obama in Berlin
Hinter Panzerglas. Barack Obama legte seine Wege durch Berlin in einem weißen Auto der US-Botschaft zurück. -Foto: dpa

Tausende Berliner jubelten dem amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama schon vor seiner Rede für den Abend geplanten Rede zu. Am Kanzleramt, am Hotel Adlon und am Außenministerium drängten sich die Schaulustigen: Berliner wie Touristen, Amerikaner wie Amerika-Fans. Die Begeisterung kannte keine Grenzen, als Obama wider Erwarten dann doch noch zu einem kurzen Ausflug aufbrach. Mit einem kleinen Konvoi fuhr der Kandidat gegen 16.30 Uhr am Hotel Ritz Carlton vor und verschwand winkend im Sportdress in Richtung Fitnessraum. Der Jubel bei den Schaulustigen vorm Eingang kannte keine Grenzen. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich auf der Fanmeile bereits tausende Zuschauer versammelt.

Rund 1000 Polizisten sicherten den Besuch, die meisten mussten den Verkehr regeln und die Begeisterung auf der Fanmeile kanalisieren. Obama wurde vom Bundeskriminalamt in die zweithöchste Gefährdungsstufe 2 eingeordnet. Die Absperrungen nahmen also längst nicht die Ausmaße an wie bei den Besuchen des amtierenden US-Präsidenten Georg Bush oder des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert. „Bei Stufe 1 stünde hier keiner auf dem Platz“, sagte der Einsatzleiter der Polizei, Andreas Pahl, vor dem Kanzleramt. Dort drängten sich am Vormittag die Neugierigen am Zaun, weil sie einen Blick auf Obama und Merkel auf dem Balkon erhaschen wollten. Doch auch bei Stufe 2 ist die Polizei hellwach. Kurz vor der Ankunft der Wagenkolonne wollte ein 63-Jähriger seinen Regenschirm aufspannen, an dem lauter Zettelchen mit „McCain“ hing. Sofort waren zwei Zivilpolizisten zur Stelle, fragten den Mann nach seinem Ausweis, untersuchen den Schirm. Mann und Schirm zeigten sich als völlig harmlos. Als Obama später in seinem weißen Großraumlimousinen das Kanzleramt wieder verließ, durfte der Mann sein „McCain“ in die Höhe halten. Ein zweiter Mann, der wirr schrie, wurde allerdings kurzzeitig festgenommen.

Typisch für politischen Besuch aus Amerika war, dass Obamas Tross den gepanzerten Limousinen der Berliner Polizei nicht traute. Das Auto des Kandidaten stellte die Berliner US-Botschaft zur Verfügung, zu erkennen am Diplomatenkennzeichen mit der „17“. Die Zahl steht für die USA. Der Konvoi bestand aus zehn schwarzen Limousinen, etwa einem Dutzend Polizei-Mannschaftswagen und einigen Zivilstreifen. Eine Motorrad-Eskorte hatte Obama nicht, der Besuch sei ja als privat eingestuft, sagt Einsatzleiter Pahl. Die vielen Motorräder, die vor und im Konvoi fahren, sind so genannte „Putzer“. Die Fahrer sperren die Kreuzungen, damit niemand den Limousinen in die Quere fährt.

Im Hotel Adlon nutzte der Obama- Tross den Hintereingang. Etwa eine Minute winkte er seinen Fans zu, am lautesten waren einige Fans aus Togo, die Obamas Wahlslogan „Yes we can“ skandierten. Am Vordereingang des Luxushotels, am Pariser Platz gibt es wenig später helle Aufregung. Das Hotelcafé wird geräumt. Ein verdächtiges Päckchen wurde im Foyer entdeckt. Hektisches Treiben, Absperrungen – eine Bombe? Die Spezialisten winken ab, es ist ein Buch, die Obama-Biografie des Tagesspiegel- US-Korrespondenten Christoph von Marschall. Der Besitzer des Buches hatte es ans Adlon geschickt, mit der Bitte, es von Obama signieren zu lassen. Ein frankierter Rückumschlag war beigefügt.

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