Berlin : Basisdemokratie fürs Öko-Freibad

Moabiter Initiative startet Bürgerbegehren für die Wiedereröffnung des Sommerbads im Poststadion an der Seydlitzstraße

Hans Strömsdörfer

Mit einem Bürgerbegehren wollen engagierte Moabiter Badefreunde das 2002 geschlossene Sommerbad im Poststadion an der Seydlitzstraße aus seinem Dornröschenschlaf holen. Die „Initiative Pro Sommerbad Poststadion“ soll das Bad mit einer groß angelegten Unterschriftensammlung wieder für die Öffentlichkeit öffnen.

6124 Unterschriften muss die Bürgerbewegung innerhalb der nächsten sechs Monate sammeln. Dies entspricht drei Prozent der Wahlberechtigten der Bezirksverordnetenversammlung (BVV). „Seit Sonnabend liegen die Listen aus“, sagt Susanne Tork von der Initiative. „Jetzt haben wir schon 250 Unterschriften. Wir sind sicher, dass wir das schaffen.“ Erklärtes Ziel ist, das Freibad im Sommer 2007 wieder zu eröffnen.

Schätzungsweise 2,8 Millionen Euro würde laut Bezirksamt Mitte eine klassische Sanierung des Bades kosten. Allein 250 000 Euro würden dabei für die Sanierung der Tribüne benötigt. Die Initiatoren des Bürgerbegehrens favorisieren aber den Bau eines Naturschwimmbads, bei dem das Wasser nicht mit Chemikalien gereinigt wird, sondern durch biologische Prozesse in einem Regenerationsbereich. „Man braucht dann die ganzen Chemikalien nicht mehr zu kaufen, das spart Geld“, erklärt Susanne Tork. Für das Naturbad rechnet das Amt mit 2,65 Millionen Euro Baukosten. 125 000 Euro davon müssten für den Abriss der Tribüne aufgebracht werden.

Ob Naturschwimmbad oder herkömmliche Sanierung – in beiden Fällen werden mehr als zwei Millionen Euro benötigt. Nach den Plänen der Initiative soll das Geld aus dem Erlös des Grundstücksverkaufs des Bezirks an der Chausseestraße kommen – dort errichtet der Bundesnachrichtendienst einen Neubau. „Mit dem Bau an der Chausseestraße wird den Leuten eine öffentliche Sportfläche weggenommen, dann sollte das mit dem Bad ausgeglichen werden“, sagt Susanne Tork. „Wir brauchen das Sommerbad dringend, vor allem für junge Leute. Es gibt hier einfach zu wenig Freizeitmöglichkeiten im Bezirk.“

Das Poststadion, 1927 als modernste Sportanlage Deutschlands eröffnet, wird zwar schon lange nicht mehr für den Sport genutzt, das Freibad war bis zu seiner Schließung vor vier Jahren aber sehr beliebt. Bis zu 700 Besucher kamen nach Angaben der Bürgerinitiative jeden Tag in das Bad an der Seydlitzstraße. Besonders für finanziell schwache Familien war das Sommerbad eine willkommene Alternative zum teuren Badeurlaub.

An dem Bürgerbegehren können alle Personen teilnehmen, die älter als 16 Jahre sind, seit mehr als drei Monaten ihren ersten Wohnsitz im Bezirk Mitte gemeldet haben und die deutsche oder eine EU-Staatsbürgerschaft besitzen. Die Unterschriften-Listen der Initiative liegen in Läden und Kieztreffpunkten der Ortsteile Moabit, Mitte, Tiergarten und Wedding aus.

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