Bauchläden : Spandau weitet Handel in Parks aus

Der Bezirk Spandau erlaubt fliegenden Händlern in Parks Geschäfte mit Bauchladen. In anderen Bezirken findet das Projekt keine Nachahmer.

Saskia Weneit

Die anderen sind einfach zu schüchtern. Findet zumindest Bezirksbürgermeister Konrad Birkholz (CDU) in Spandau. „Nach unseren Erfahrungen im letzten Jahr bin ich erstaunt, dass sich einige Bezirke nicht trauen, fliegende Händler in Parks zu erlauben“, so der Bezirksbürgermeister. Schon letztes Jahr startete Spandau ein Pilotprojekt in vier öffentlichen Grünanlagen. „Die Nachfrage unter den Bürgern war sehr groß“, stellt Birkholz klar. 50 bis 100 Euro im Monat müssen Händler für die Sondergenehmigung zahlen, bis Mitte April geht die Anmeldung noch. Der Bezirk geht von einem regen Interesse aus, Zahlen liegen noch nicht vor.

Nach dem Grünanlagengesetz ist der wirtschaftliche Handel eigentlich nicht erlaubt. Doch Spandau hat eine Lücke gefunden: Bauchläden sind gestattet. Auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat das Projekt abgesegnet. Andere Bezirke sehen die Sache weniger liberal: „Machen wir nicht, ist nicht genehmigungsfähig“, sagt Michael Schneider (PDS), Stadtrat für Umwelt, Grün und Immobilienwirtschaft in Treptow-Köpenick. Er kann das Vorgehen in Spandau nicht nachvollziehen. „Wenn ich im Park Durst oder Hunger kriege, gehe ich in eine Gaststätte“, sagt Schneider. Auf Unverständnis stößt man auch in Charlottenburg-Wilmersdorf. Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) will das auf keinen Fall genehmigen. „Das ist kein Aprilscherz?“, fragt Marc Schulte (SPD), im Bezirk zuständig für Wirtschaft und Ordnungsangelegenheiten. Er wolle beim Entspannen im Park auch nicht angesprochen werden, ob er eine Limo kaufen will.

Aber wenn keine Gaststätte in unmittelbarer Nähe ist? „Wir haben bewusst Anlagen ausgesucht, wo diese Angebote nicht bestehen“, sagt Patrick Sellerie, Sprecher von Baustadtrat Michael Carsten Röding (CDU) in Spandau. Die Infrastruktur sei dort nicht so gut ausgebaut. Anders etwa als in Pankow oder Mitte, wo es keine Versorgungsdefizite gibt. „Im Mauerpark läuft die Versorgung meist selbstorganisiert. Wie sehen das eher gelassen“, sagt Pankows Stadtrat Jens Holger Kirchner (Bündnis 90/Die Grünen).

In Spandau ist eine weitere Grünanlage für fliegenden Handel hinzugekommen: die Badestelle Groß Glienicker See, zusätzlich zu Lindenufer, Scharfe Lanke, Südpark und Spektewiese. Ein marktschreierisches Treiben – wie vom stellvertretenden Leiter des Wirtschafts- und Ordnungsamts Friedrichshain-Kreuzberg, Harry Pötzsch, befürchtet – soll in Spandau vermieden werden. „Wir schauen genau, wer darf und wie die Händler verteilt werden“, sagt Baustadtratsprecher Sellerie. Es darf auch nicht alles verkauft werden. Werbung über Lautsprecher sowie motorbetriebene Gefährte sind untersagt. Grill- und Feuerstellen sind auch verboten. Zudem dürfen keine alkoholischen Getränke verkauft werden. Ein zusätzliches Müllproblem gebe es nicht, sagt Sellerie.

Das Argument aus den anderen Bezirken, Grünanlagen hätten der Erholung zu dienen, nicht dem wirtschaftlichen Handel, kann Spandaus Bürgermeister Birkholz nicht nachvollziehen: „Ein bisschen Angebot ist doch schön.“

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