Baustelle zwischen Prenzlauer Berg und Wedding : Bösebrücke ist jetzt für zwei Jahre gesperrt

Am Montagnachmittag wurde eine der wichtigen Ost-West-Verbindungen in eine Richtung gekappt. Auf der Bösebrücke ist gen Osten kein Durchkommen mehr. Zwei Jahre lang soll die Brücke saniert werden.

Melanie Böff
Für Autos gesperrt. In Richtung Osten geht auf der Bösebrücke seit Montagnachmittag gar nichts mehr.
Für Autos gesperrt. In Richtung Osten geht auf der Bösebrücke seit Montagnachmittag gar nichts mehr.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Für Rosemarie Bartels ist die Ruhe vorbei. Seit 40 Jahren lebt sie nun schon in der Jülicher Straße im Ortsteil Gesundbrunnen. Oft sitzt die Rentnerin hier mit einem Kaffee auf dem Balkon. Von dem hat sie ihre Straße mit den vielen grünen Bäumen immer im Blick. Seit Montag wird dieser Blick aber durch den brummenden Verkehrslärm zahlreicher Autos untermalt. Wie viele Anwohner ist auch Bartels direkt von der Teilsperrung der Bösebrücke an der Bornholmer Straße betroffen. Am Montagnachmittag wurde diese wichtige Ost-West-Verbindung zwischen Prenzlauer Berg und Wedding in Richtung Osten umgeleitet. „Durch den Lärm und die ganzen Autos wird das hier ein total Chaos werden“, sagt sie. In den ersten Stunden jedoch blieb dieses am Spätnachmittag im Berufsverkehr aus. Allerdings hatten einige Autofahrer die Sperrung noch nicht richtig realisiert und schlängelten sich an den Gittern vorbei.

Zehntausend Autos werden jetzt durch den Kiez geleitet

Rund 30.000 Autos fuhren bisher täglich über die baufällige Brücke. Nun sollen rund 10.000 davon direkt durch den Kiez geleitet werden – durch die anliegenden Wohnstraßen Jülicher Straße, Behmstraße und Malmöer Straße. Zwei Jahre soll das so gehen. Kosten lässt sich der Senat die überfällige Sanierung 5,3 Millionen Euro. Bereits 2012 stellte sich bei einer Überprüfung heraus, dass die geschichtsträchtige Brücke die Verkehrsbelastung langfristig nicht mehr aushalten kann. Mitverantwortlich sind dafür auch die großen Lastwagen, von denen in den vergangenen Jahren immer mehr hier fahren. Nun wird der Beton, der bisher an dieser Stelle lag, durch einen leichteren Straßenbelag ersetzt. So soll das Eigengewicht der genieteten Stahlbrücke verringert und diese selbst entlastet werden. Aber auch die Unterbauten, Treppen und einige Stützwände sollen saniert werden.

Anwohner wie Rosemarie Bartels müssen sich währenddessen mit den vielen Autos, die sich durch die Seitenstraßen drängen sollen, abfinden. Tempo 30 und „Flüsterasphalt“, der von der Senatsverwaltung in den betroffenen Wohnstraßen verlegt wurde, sollen die Anwohner vor übermäßiger Lärmbelastung schützen. Vor allem zweifelt Bartels an der Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung. „Hier gilt seit längerem schon Tempo 30. Trotzdem rast ständig irgendwer durch die Straße“, sagt sie. Schon die Straßenbauarbeiten raubten ihr früh morgens den Schlaf. Nun fürchtet sie, dass es durch die vielen Autos noch lauter wird. Bis eines Tages ein Flyer mit Informationen über den Umbau in ihrem Briefkasten lag, habe sie nichts über die Veränderungen in ihrer Straße gewusst. Da hätte sie sich mehr Einbindung der Anwohner gewünscht.

Anwohner fordern einen Zebrastreifen für die Jülicher Straße

Während die Baumaßnahmen Rosemarie Bartels verärgert zurücklassen, freut sich Freddy Urban, der schon seit 33 Jahren in der Jülicher Straße wohnt. Vor der Bäckerei an der Straßenecke unterhält er sich mit Nachbarn über die Baustelle. Überraschend entspannt beurteilt man in dieser Runde die Lage. „Laut war es hier doch schon immer. Aber immerhin wackeln meine Gläser in der Vitrine durch die neue Straße nicht mehr“, sagt Urban. Außerdem gebe es auch keine andere Möglichkeit, den Verkehr umzuleiten. Ganz zufrieden ist er trotzdem nicht. Ein Zebrastreifen müsse her, sagt er. Wegen der vielen Kinder, die bald nach den Ferien durch die Straßen zur Schule oder zu den vielen Kitas unterwegs sein werden. Ein Zebrastreifen ist in der Jülicher Straße aber nicht in Sicht. Sorgen, dass es schwierig wird, die Straße zu überqueren, macht sich auch Tommy Müller, der seit 15 Jahren in der Jülicher Straße wohnt. Bereits seit 1972 lebt Evelyn Wiesner dort: Sie findet die Bauarbeiten „katastrophal“: „Aber es muss ja sein. Die Brücke ist baufällig.“ Erst vor zwei Wochen ist Nico Fleischfresser in die Straße gezogen. Seinen Balkon, der nach vorne heraus geht, werde er wohl künftig nicht viel nützen können.

Bürgerinitiative machte gegen Umleitung mobil

Im ebenfalls betroffenen Bereich der Malmöer Ecke Ueckermünder Straße hat der Senat eine vorübergehende Ampel installiert. Hier sollen die Schulkinder in Zukunft sicher über die Straße gelangen. In den Augen der Bürgerinitiative „Malmöer Straße/ Jülicher Straße“ ist das ein zu geringer Erfolg. Seit Monaten haben sie gegen die Umleitungspläne mobil gemacht, organisierten Anfang Mai eine große Demonstration mit Anwohnern und schlugen dem Senat auch eine alternative Umleitungsroute vor. Geholfen hat all das nicht. Tausende Autos werden hier sicher fahren, LKWs vielleicht auch. „Erst gab uns der Senat eine mündliche Zusage, die LKWs großzügig umzuleiten. Nun ist davon keine Rede mehr“, ärgert sich Michael Rauscher von der Bürgerinitiative. Große Lastwagen sollen das Gebiet meiden und auf die Schwedenstraße, Badstraße, Brunnenstraße, Bernauer Straße, Eberswalder Straße und Schönhauser Allee ausweichen. Ob die sich daran auch halten weiß hier keiner. Denn ein Durchfahrtsverbot für LKWs wurde nicht erlassen. Geschlagen geben sich Rauscher und seine Mitstreiter nicht. Man werde den Verkehr in den kommenden Wochen beobachten und auch eine Lärm- und Schadstoffmessung anstreben, erklärt er. Währenddessen sind an der Bornholmer Ecke Jülicher Straße schon die Fußgängerampeln ausgeschaltet, gelbe Linien ziehen neue Wege über die Fahrbahn und und Absperrgitter stehen bereit. Die Autos können kommen.

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