Berlin : Bauwüste Gleisdreieck soll grüne Vergnügungsoase werden

CAY DOBBERKE

Die Betreiber des traditionsreichen Tivoli-Vergnügungsparks in Kopenhagen suchen einen Standort in Berlin.Nach Tagesspiegel-Informationen überlegen sie, einen Freizeitpark auf etwa 15 Hektar Fläche am Gleisdreieck in Kreuzberg anzusiedeln.Ob dort wirklich einmal wie in der dänischen Hauptstadt romantische Seenlandschaften und Blumenmeere, Karussells oder nachgebaute Schlösser und chinesische Pagoden entstehen, bleibt aber fraglich: Der Kreuzberger Bürgermeister Franz Schulz meint, die verfügbaren Flächen reichten nicht aus.

"Das Tivoli zieht die Besucher vor allem an, weil es eine Oase in der Stadt ist.Das wollen wir auf Berlin übertragen", sagte Vorstandsmitglied Torben Franch.Beispielsweise könne ein künstlicher See am Gleisdreieck angelegt werden.Genaue Pläne und Kostenschätzungen lägen noch nicht vor.In Berlin gebe es auch noch mögliche Alternativstandorte, über die man sich aber derzeit nicht äußern wolle.Als Vermittler fungiere die Landesentwicklungsgesellschaft BLEG.Der Bau eines Freizeitparks werde rund drei Jahre dauern.

Das Kopenhagener Tivoli gehört seit seiner Eröffnung 1843 zu den größten Tourismusattraktionen Dänemarks und hat schon einen Ableger in Japan eröffnet.An diesen Erfolg wollte vor einigen Monaten auch eine hiesige Firma als Lizenznehmer anknüpfen.Der geplante Vergnügungspark auf dem früheren Flugplatz Staaken scheiterte, wie berichtet, offensichtlich an mangelnden Investitionsmitteln.Derartige Probleme scheinen bei der Kopenhagener Gesellschaft ausgeschlossen.

Das Gleisdreieck wurde von der Senatsverwaltung für Wirtschaft vorgeschlagen.Sprecher Michael Wehran sagte, das Tivoli könne dem ehemaligen Bundesgartenschau-Gelände "Britzer Garten" in Neukölln ähneln.Es würde sich "ausgezeichnet" in bestehende und geplante Grünanlagen am Gleisdreieck einfügen, meint Wehran, und dem Land Berlin blieben erhebliche Grünpflegekosten erspart.

Als möglicher Standort gelten Teile des 20 Hektar großen Baulogistikzentrums "baulog".Von dort aus werden die nahen Baustellen auf dem Potsdamer Platz mit Material versorgt, außerdem verlädt man Erdaushub auf Züge und Schiffe.Das Zentrum soll schon zum Jahresende - zwei Jahre früher als ursprünglich geplant - seinen Betrieb einstellen.Jetzt sei der Aushub "zu 99 Prozent" abtransportiert, teilte die baulog mit.Für die "kleineren Restarbeiten" von Sony am Potsdamer Platz werde das Zentrum nicht mehr gebraucht.

Bezirksbürgermeister Schulz hält das Tivoli dennoch für "nicht unterbringbar" und will dies nun auch der Landesentwicklungsgesellschaft in einem Brief mitteilen.Schließlich sei anstelle des Logistikzentrums ein 16 Hektar großer Park geplant.Es handelt sich um sogenannte Ausgleichs-Grünflächen für die Bebauung des Potsdamer Platzes."Warum bewirbt sich die Tivoli-Gesellschaft nicht für Flächen auf dem Flugplatz Tempelhof?", fragt Schulz.

Auf einem Nachbargelände am Gleisdreieck, dem ehemaligen Anhalter Güterbahnhof, plant derweil auch das Deutsche Technikmuseum einen Erlebnispark.Den von Direktor Güther Gottmann verwendeten Begriff "Lunapark" nannte Sprecherin Maria Borgmann jedoch einen Scherz: "Es geht nicht um einen Rummelplatz.Karussells wird es mit Sicherheit nicht geben." Man erwäge eine "niveauvolle" und museumsnahe Nutzung.Das Konzept sei aber noch im Anfangsstadium.

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