Berlin : Bei Kaviar und Bacon finden junge Deutsche und Briten zusammen

Esther Kogelboom

Es regnet in Strömen, als die Teilnehmer der Jung-Königswinter-Konferenz vor der Residenz des Leiters der Außenstelle der Britischen Botschaft aus dem Taxi steigen. So ein Schauer aus heiterem Himmel kann die wettererprobten Engländer nicht aus der Fassung bringen - im Foyer des Hauses stapeln sich die Regenschirme.

Eine Woche lang werden junge Briten unter den Fittichen der Deutsch-Englischen Gesellschaft und der Europäischen Akademie mit jungen Deutschen diskutieren, Vorträgen lauschen und Berlin erkunden. Das Programm sieht unter anderem den Besuch des Reichstags, eine Rundfahrt durch Potsdam und den Besuch der Ausstellung "Wege der Deutschen" im Martin-Gropius-Bau vor. Die 39. Jung-Königswinter-Konferenz, die traditionsgemäß den akademischen Nachwuchs beider Länder an einen Tisch bringt, soll Keimzelle sein für den zukünftigen Austausch über den Kanal hinweg.

Die Teilnehmer waren von "Personen des öffentlichen Lebens" für die Konferenz vorgeschlagen worden und kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen: Unternehmensberater, Wissenschaftler, Doktoranden, Journalisten. "Wir freuen uns, dass eine Nicht-Regierungs-Organisation die Zusammenarbeit der beiden Staaten so intensiv fördert", sagte Jonathan Walters, 2. Sekretär und Sprecher der Britischen Botschaft, die zum Empfang lud. Die Konferenzsprache sei selbstverständlich englisch, und so setzen sich die Hoffnungsträger unter dem Motto "Alte Fragen neu gestellt? Europäische Lösungswege am Vorabend eines neuen Jahrtausends" in vier Arbeitsgruppen mit dem Thema Europa auseinander.

Antje Koolmann, Doktorandin am Institut für Historische Landesforschung an der Georg-August-Universität Göttingen, nimmt an der Gruppe teil, die sich mit europäischer Identität und Selbstverständnis befasst: "Hier geht es beispielsweise darum, ob Europa eine Verfassung braucht und ob der europäische Einigungsgedanke an seine Grenzen gestoßen ist." AntjeKoolmann fühlt sich sowohl in England als auch in Deutschland zu Hause. Sie genießt "den Austausch über das Fachgebiet hinaus mit Gleichgesinnten". Auch Matthew R. Laza will als Mitglied des "Labour Movement for Europe" den europäischen Gedanken bei Bacon- und Kaviarhäppchen im Residenz-Garten diskutieren.

Laza zeigt sich begeistert von Berlin: "Hier nehmen die Menschen ihre öffentliche Gebäude richtig in Besitz", schwärmt der Londoner. Der Reichstag habe ihn sehr beeindruckt. Dass spät abends das House of Commons noch für die Öffentlichkeit geöffnet ist, hält Laza dagegen für undenkbar. Dem Düsseldorfer Rechtsreferendar Frank Hildebrandt gefällt am "englischen Denken" vor allem "das permanente Streben nach Verbesserung". In Oxford habe man die Freiheit, auch etwas "Verrücktes" zu tun. Für konservativer hält er die Heidelberger Jura-Studenten. "Dies ist ein Augenöffnungsseminar", stellt Arvid Enders vom Auswärtigen Amt fest. Die Diskussionsgruppen seien sehr fruchtbar, und man habe sogar eine britische Teilnehmerin von der europäischen Idee überzeugen können, erzählt Enders. Nicht zu unterschätzen sei auch die Netzwerkbildung unter den Teilnehmern, die sich während der Jung-Königswinter-Konferenz auf "lockere" Art kennenlernen, sagt er bescheiden und - very bristish.

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