Berlin : Beide Pfarrer der zerstrittenen Melanchthon-Gemeinde versetzt

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Die jahrelangen Auseinandersetzungen in der evangelischen Melanchthon-Gemeinde in Kreuzberg scheinen ein vorläufiges Ende gefunden zu haben. Die sechsjährige Tätigkeit des Pfarrers Christian Zeiske hatte die Gemeinde in Gegner und Befürworter gespalten (wir berichteten), eine Versöhnung scheiterte. Um einen "kompletten Neuanfang" zu ermöglichen, gab die Berlin-Brandenburgische Kirchenleitung jetzt die Versetzung Zeiskes sowie seines Mitpfarrers Paolo Lucchesi bekannt. Am heutigen Sonnabend wird die neue Pfarrerin Ruth Küstner in der Melanchthon-Gemeinde ihr Amt antreten. Zudem ist die Mehrheit der untereinander zerstrittenen Gemeinderatsmitglieder zurückgetreten, so dass für die nächsten zwei Jahre ein Bevollmächtigten-Ausschuss die Gemeindegeschäfte erledigen wird.

"Wir wollen darauf hinweisen, dass sich keiner der beiden Pfarrer aus unserer Sicht persönlich etwas hat zuschulden kommen lassen", unterstrich der Personalreferent der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, Joachim Muhs. Doch sei das Vertrauen so aufgebraucht, dass ein Weitermachen nicht mehr möglich gewesen sei. Tief geht der Riss durch die Gemeinde: Der Chor ist nach vielen Austritten kaum noch arbeitsfähig, bei der Gemeindeversammlung saß die eine Fraktion geschlossen links, die andere rechts. Zeiske-Befürworter wurden wiederholt als "Gotteslästerer" beschimpft, revanchierten sich bei den Kritikern mit der Bezeichnung "Betonköpfe". Die Kommunikation ist gestört, auch zur Presse. Auf Fragen reagiert man ablehnend.

Sonia Marnitz ist seit 30 Jahren in der Gemeinde aktiv. Sie zählt sich zu keiner der beiden Fraktionen zugehörig. Ihrer Meinung nach hat Zeiske im Umgang mit den alteingesessenen Mitgliedern die Behutsamkeit vermissen lassen. Er sei extrovertiert, liebe spektakuläre Auftritte, wie die unkonventionellen Gottesdienste mit Jugendlichen. "Aber zugunsten der sehr erfolgreichen und guten Jugendarbeit hat er zum Beispiel die Altenbetreuung vernachlässigt." Die eher auf Harmonie bedachten Gemeindemitglieder hätten sich durch seine forsche, die Konfrontation suchende Art überfahren gefühlt. Zeiske habe nicht wahrhaben wollen, dass ein Großteil der Kirchenbesucher bei seinen sozialen Projekten, etwa einer Notunterkunft für Frauen im Gemeindezentrum, nicht mitzog.

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