Berlin : Benefiz-Barbecue: Von Stars bedient

Elisabeth Binder

Das war mal eine Wohltätigkeits-Veranstaltung, die zur Nachahmung nur empfohlen werden kann. Erstens hat es allen Beteiligten offensichtlich Spaß gemacht: Götz George, der milde lächelnd und bereitwillig Fragen beantwortend Champagnergläser füllte. Iris Berben die Tabletts mit 20 Gläsern und mehr zu den langen rotkariert gedeckten und mit Sonnenblumen geschmückten Tischen trug. Peter Maffay und Alexandra Kamp, die Grillfleisch auf Teller luden. Das Benefiz-Barbecue zugunsten der Tabaluga-Kinderstiftung, das gestern im Hangar 2 des Flughafens Tempelhof über die Bühne ging, brachte manche positive Überraschung. Ungefähr 40 Prominente, darunter Franziska van Almsick, Anna Loos, Patrick Lindner, Otto Sander, Sonja Kirchberger, Leopold Prinz von Bayern und Sandra Maischberger bedienten mehrere hundert Gäste, die für 250 DM eine Eintrittskarte zum Barbecue erstanden hatten. Für weitere 250 DM gab es noch einen Rundflug mit der JU 52 dazu. Berlin könne stolz sein, eine solche Veranstaltung zu haben, sagte Klaus Wowereit, der vor laufenden Kameras immer wieder gern bedauerte, dass er sich zur Parlamentsauflösung zurückziehen musste, statt mitzumachen und Dessert zu verteilen.

Es war eigentlich eine importierte Veranstaltung. Im letzten Jahr hat sie zum ersten Mal in Oberschleißheim bei München stattgefunden, und viel wurde geschwärmt von der besonderen Stimmung, die dort geherrscht habe. Zu den entscheidend treibenden Kräften, die sich für die Tabaluga-Stiftung besonders einsetzen, gehört der Geschäftsführer des Schweizer Uhrenunternehmens IWC, Michael Sarp. Der hatte am Abend zuvor bei Lutter & Wegner am Gendarmenmarkt eine Geburtstagsparty für Peter Maffay in Form eines "gemütlichen Abendessens" organisiert. Als Geburtstagsgeschenk gab es einen Fotoband Berlin, der von allen Gästen gezeichnet wurde. Es wurde ziemlich offensichtlich, dass Künstler aus den verschiedensten Bereichen, es durchaus genießen, wenn ihnen jemand eine Art Klassenausflug organisiert, bei dem sie auch noch für einem guten Zweck aktiv werden können. Da tauschten sich Jenny Jürgens und Judy Winter mit Claus Theo Gärtner über aktuelle Projekte aus, aber auch darüber, wie sie ihre häuslichen Abende verbringen (am liebsten gemütlich). Da stellte der Moderator Björn Hergen Schimpf der Runde aber auch mit rührendem Stolz seine offensichtlich showbegabte Enkeltochter vor. Die Organisatorinnen Andrea Schoeller und Alexandra von Rehlingen brachten Kollegen zueinander, die sich lange nicht gesehen hatten, wobei letztere ein viel bewundertes T-Shirt mit der Aufschrift "Agenturschnepfe" vorführte. Es gibt so einen speziellen Münchner Humor, der zwar importiert wirkt, aber auch ganz nett sein kann. Das tiefgehende Bedürfnis nach Gemütlichkeit, das gerade in der hektischen Showbranche herrschen muss, trat an diesem Abend besonders offen zu Tage. Vielleicht hat der Uhren-Manager, da einen besonderen Schlüssel entdeckt. Von München lernen, heißt siegen lernen? Was diese spezielle Melange betrifft, stimmt das vielleicht mal.

Das Tabaluga-Haus, für das gesammelt wurde, steht in Tutzing. Dort werden Kinder therapiert, die durch Gewalt, familiäre Krisen oder sexuellen Missbrauch traumatisiert wurden, dort lernen sie, wieder Vertrauen zu finden. Geplant ist, diese Benefiz-Veranstaltung jedes Jahr in eine andere Stadt zu bringen, um eine möglichst breite Öffentlichkeit für die Sache zu mobilisieren.

Allerdings gibt es noch viele gute Zwecke, für die man sammeln könnte und Barbecues auf dem Flughafen Tempelhof haben eine große und sehr Berlin bezogene Tradition durch die Flugtage der Alliierten. Man kann nur hoffen, dass unter den Gästen auch solche waren, die gute Ideen aufnehmen. Mit dabei waren unter anderem Irina Pabst, Tini Gräfin Rothkirch, Botschafter Thomas Borer, der ebenfalls am Champagnerstand im Einsatz war, und Eberhard Diepgen, der die Blitzlichter, die ihn trafen, offensichtlich genoss, auch wenn bei seinem Auftritt eine ganze Batterie von Gläsern zu Bruch ging.

Für die Kinder gab es eine Extra-Unterhaltung mit ziemlich herzigen Clowns. In den Pausen nützten sie die einmalige Chance, ihre Autogrammsammlungen rasch aufzufüllen. Dass man bei einem in Betrieb befindlichen Verkehrsflughafen sowas nicht draußen machen kann, war bald verschmerzt. Obwohl es schön und noch nostalgischer gewesen wäre. So bleibt für potenzielle Berliner Nachahmer immerhin noch eine Herausforderung übrig.

0 Kommentare

Neuester Kommentar