Bericht der Lageso-Helfer : Was ist bisher über den angeblichen Todesfall bekannt?

Lageso-Helfer berichten am frühen Morgen von einem toten Flüchtling. Doch weder Senat noch Feuerwehr können das bestätigen. Und der Urheber der Nachricht ist abgetaucht. Eine Chronologie.

Auch am Mittwoch warteten die Flüchtlinge vor dem Lageso in langen Schlangen.
Auch am Mittwoch warteten die Flüchtlinge vor dem Lageso in langen Schlangen.Foto: Jörg Carstensen/dpa

Am Mittwochmorgen verbreitet sich ein Facebook-Post, in dem eine ehrenamtliche Helferin vom Lageso von einem toten Flüchtling berichtet. Dabei bezieht sie sich auf einen anderen ehrenamtlichen Helfer. Doch es gibt den ganzen Tag keine Bestätigung. Und der Urheber der Nachricht ist nicht zu erreichen. Eine Chronologie:

Mittwochmorgen:

Es gibt seit dem frühen Mittwochmorgen einen Facebook-Post von Reyna B. Sie ist ehrenamtliche Helferin am Berliner Lageso. In dem Post berichtet sie von einem angeblich verstorbenen Flüchtling. "Jetzt ist es geschehen. Soeben ist ein 24-jähriger Syrer, der tagelang am Lageso bei Minusgraden im Schneematsch angestanden hat, nach Fieber, Schüttelfrost, dann Herzstillstand im Krankenwagen, dann in der Notaufnahme - VERSTORBEN", heißt es in dem Post. Dabei bezieht sie sich auf Informationen von Dirk V., einem weiteren ehrenamtlichen Helfer. B. veröffentlicht einen Chatverlauf, den sie mit V. gehabt habe, in dem geschildert wird, wie V. im Krankenwagen sei und den Flüchtling begleite. "Sitze im Krankenwagen. Herzstillstand", heißt es in dem Post. V. veröffentlicht diesen Chatverlauf ebenfalls auf seiner Facebook-Seite.

Mittwochvormittag:

Der Facebook-Post von B. verbreitet sich rasant. Eine Sprecherin vom Helfer-Netzwerk "Moabit hilft" berichtet ebenfalls davon, dass ein Flüchtling verstorben sei. Man habe ihn gekannt und er sei privat untergekommen und in der Nacht in einem Rettungswagen verstorben. Sie veröffentlichen einen entsprechenden Facebook-Post. Eine offizielle Bestätigung gibt es für den Tod nicht. Weder Polizei, Feuerwehr noch der Senat können etwas zu dem Vorgang sagen. Die Recherchen bei Krankenhäusern und Rettungsstellen laufen an.

Die ersten Politiker äußern sich. Integrationssenatorin Dilek Kolat sagte bei einem Termin am Flughafen Tempelhof: "Ich habe noch keine Informationen, aber ich bin natürlich unendlich traurig." Ramona Pop von den Grünen sagte bei einem Termin im ICC, wo viele Flüchtlinge leben. "Wenn sich der Fall bestätigt, glaube ich nicht, dass Senator Czaja zu halten ist. Er ist nicht schuldig, aber verantwortlich. Wir haben es alle kommen sehen." Am Lageso legen erste Menschen Blumen nieder und zünden Kerzen an.

Mittwochmittag:

Noch immer können Feuerwehr und Senat nichts sagen. Auch Dirk V., auf den die Nachricht zurückgeht, äußert sich nicht. Allerdings ist mittlerweile der Verlauf des Chats, den er mit Reyna B. geführt haben soll, von seiner Facebook-Seite verschwunden.

Mittwochnachmittag:

Der Senat legt sich fest. Eine offizielle Stellungnahme gibt es nicht, aber aus Senatskreisen heißt es: "Es gibt keinen toten syrischen Flüchtling." Es könne - Stand Nachmittag - ausgeschlossen werden, dass ein syrischer Flüchtling in einem Rettungswagen oder in einem Krankenhaus gestorben sei. Auch das Helfernetzwerk "Moabit hilft" ist ratlos. In einer spontanen Pressekonferenz vor dem Lageso erklärt eine Sprecherin, dass auch sie Dirk V. nicht erreichten. Er habe sich in seiner Wohnung eingeschlossen, man habe aber SMS-Kontakt gehabt. Demnach habe er angekündigt, jetzt erst mal seine Ruhe haben zu wollen, aber er werde sich noch bei den entsprechenden Stellen melden.

Bei der Gesundheitsverwaltung heißt es, dass man nun alle Rettungsstellen abgefragt habe, aber niemand den Fall kenne. Ein syrischer Flüchtling sei auch in keines der 39 Aufnahmekrankenhäuser eingeliefert worden. Auch Feuerwehr und Polizei könnten nichts dazu sagen.

Reyna B., die mit ihrem Facebook-Post als erstes über den vermeintlichen toten Flüchtling berichtet hatte, ergänzt ihren ursprünglichen Post. Sie fordert alle auf, ihren Post erst mal nicht weiter zu teilen. Sie erklärt, dass alle ihre Aussagen auf denen von Dirk V. beruhten, wie in dem Post auch erkennbar gewesen sei. Sie fordert Dirk V. auf, sich bei der Polizei zu melden und wichtige Fragen zu beantworten.

Mittwochabend

Am Abend konnte die Polizei Dirk V. zu den Ereignissen befragen. Es stellte sich heraus, dass die Geschichte frei erfunden war. "Wir haben keinen toten Flüchtling“, sagte eine Sprecherin der Polizei am Mittwochabend. Es gebe keine Anhaltspunkte, dass an dem Sachverhalt etwas dran ist. Über die Hintergründe gab es keine Informationen. Strafrechtlich werde der Mann vorerst nicht verfolgt.

(Tsp)

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