• Berlin 2030 - Unsere Serie blickt in die Zukunft (1): Klima und Mobilität: Berlin soll klimaneutral werden

Carsharing und E-Bikes - "Wir brauchen eine neue Art von Wegen"

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Berlin 2030 - Unsere Serie blickt in die Zukunft (1) : Klima und Mobilität: Berlin soll klimaneutral werden
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"Auf Dauer werden nicht so viele Autos in der Stadt fahren und herumstehen können wie bisher", sagt Prof. Barbara Lenz, Verkehrsforscherin am Zentrum für Luft- und Raumfahrt. "Eine lebendige Stadt braucht vor allem Fußgänger."
"Auf Dauer werden nicht so viele Autos in der Stadt fahren und herumstehen können wie bisher", sagt Prof. Barbara Lenz,...Foto: Georg Moritz

Dass dieses gern verschwiegene Kostenproblem auf Carsharing-Anbieter übergeht, findet Lenz vernünftig – und hofft, dass diese Modelle sich in absehbarer Zeit rentieren. In Kombination mit technischem Fortschritt sieht sie neue Chancen. Selbstfahrende kleine E-Autos etwa, die auf Bestellung vor die Haustür rollen und den ÖPNV-scheuen Kunden zur Arbeit fahren, bevor sie sich zum nächsten Besteller bewegen statt acht Stunden herumzustehen. „Die Techniker sagen, in 15 bis 20 Jahren ist das autonome Fahrzeug serienreif“, sagt Lenz. „Aber würden wir es akzeptieren, wenn uns ein leeres Auto entgegenkommt?“

Und natürlich würde es der erste Unfall eines solchen Fahrzeugs auf die Titelseiten der Boulevardblätter schaffen, während dort kein Wort verloren würde über die durchschnittlich 50 anderen schweren Unfälle, die sich am selben Tag in Berlin mit konventionellen Autos ereignen. Dem Fahrradverkehr trauen beide Professorinnen einen noch wachsenden Boom zu, zumal in Zeiten des Pedelecs. Barbara Lenz sieht den Engpass in der Infrastruktur: „Wir brauchen eine neue Art von Wegen für solche Fahrzeuge.“ Elektrisch unterstützte Lastenfahrräder gehörten ebenso wenig auf althergebrachte Radwege wie E-Bikes, mit denen jeder Rentner Tempo 25 fährt. Der geplante Schnellradweg von Zehlendorf in die City sei ein erster, kleiner Anfang. Die Öffentlichen sieht die Professorin auf gutem Weg. Das vorhandene Angebot müsse gepflegt, Bus und Bahn besser mit anderen Verkehrsmitteln – vor allem Carsharing – kombiniert werden und das Netz mit der Stadt wachsen.

Bleibt die bisher kaum gestellte, aber in Zeiten des Online-Shoppings immer drängendere Frage nach dem Lieferverkehr: Müssen täglich vier Paketdienste mit ihren Kleinlastern voller Schuhkartons und Kinderspielzeug noch in die kleinste Nebenstraße fahren? Auf Dauer nicht, findet Lenz. Zentralstellen wie die Packstationen der Post dämpften zwar die Explosion des Lieferverkehrs, „aber Gebietsmonopole für die Anlieferung wären durchaus prüfenswert“ – als Weg zur Verkehrsentlastung vor allem von Wohngebieten. „Ich bin ziemlich sicher, dass das ein großes Thema wird“, sagt die Professorin. „Und eine Stadt wie Berlin könnte sich ein solches Experiment durchaus leisten.“

Die Hauptstadtregion, ihre Chancen, ihre Herausforderungen - Unsere Serie "Berlin 2030" blickt in die Zukunft. Die nächste Folge erscheint am Freitag, 31. Mai zum Thema Wohnen.

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