Berlin : Berlin am Wochenende: Genuss an allen Ecken und Enden

Katja Füchsel

Die Stadt war auf den Beinen - und hatte an diesem Wochenende die Qual der Wahl: Zur Eröffnung der Ifa? Ins ARD-Hauptstadtstudio? Lustwandeln bei der Langen Nacht der Museen? Einkaufen am Sonntag? Oder baden im Wannsee? Dass sich viele gleich für mehrere dieser Angebote entschieden haben, beweisen die Meldungen der Veranstalter: "Ein voller Erfolg", hieß es auf fast allen Seiten.

Weit vorn in der Publikumsgunst lag am Sonnabend die Lange Nacht der Museen. Rund 260 000 Besuche zählten die Organisatoren. "Wir waren selbst überrascht von dem Andrang", sagte Wolf Kühnelt, Sprecher des Museumspädagogischen Dienstes. Schätzungsweise 60 000 Tickets seien verkauft worden, die zu mehreren Visiten genutzt werden konnten. Publikumslieblinge waren diesmal das Pergamonmuseum und der Berliner Dom mit jeweils rund 22 000 Besuchern. Aber auch vor dem Guggenheim-Museum, der Nikolaikirche und dem Hamburger Bahnhof bildeten sich lange Schlangen.

Etwas Geduld aufbringen musste auch, wer ein Ticket für die Messehallen am Funkturm kaufen wollte. Rund 40 000 Besucher strömten allein am Sonnabend zur Internationalen Funkausstellung, um die "neuesten Trends der Konsumelektronik" aufzuspüren: Der 43 Gramm leichte Audio-Player, die vier Millionen Mark teure High End-Anlage, der über 70 Zentimeter große LCD-Fernseher, der 1,50 Meter große Plasma-Bildschirm... Fast tausend Aussteller aus 40 Ländern haben in den Hallen ihre Stände aufgebaut, ein neuer Rekord (noch bis zum 2. September täglich von 10 bis 18 Uhr).

Das Weißenseer Blumenfest hatte schon am Freitag begonnen, schätzungsweise 150 000 Besucher zogen an den Weißen See. "Es war ein überaus gelungenes Fest", sagte Pressesprecher Ulrich Bachmann. Einen Blick hinter die Fernseh-Kulissen hat am Sonnabend das ARD-Hauptstadtstudio an der Wilhelmstraße gewährt. Rund 4000 Besucher kamen, um die Redaktionsbüros, Schnittplätze und Regieräume zu besichtigen. Derweil musste die Straße des 17. Juni am frühen Nachmittag teilweise gesperrt werden: Für die Sternfahrt der Biker. Mehr als 1000 Motorradfahrer demonstrierten gegen die geplante Erhöhung der Kfz-Steuer für Zweiräder: mit viel Leder und auf chromblitzenden Maschinen.

Ein schweißtreibender Protest, am vielleicht letzten heißen Wochenende des Jahres, bei Temperaturen bis über 30 Grad. Das Hoch Johanna bescherte auch dem Strandbad Wannsee regen Andrang: 6000 Besucher kamen am Sonnabend, 8000 am Sonntag - und noch ein paar Hundert nicht zahlende Gäste. "Wir hatten in den letzten zwei, drei Tagen eine richtige Wespenplage", hieß es im Strandbad. In der Regel eine lästige Begleiterscheinung, manchmal aber auch lebensgefährlich: Zwei Mal musste der Rettungs-Hubschrauber einfliegen, um gestochene Kleinkinder zu versorgen.

Über ausbleibenden Andrang hörte man allenfalls die Einzelhändler Klagen: Sie durften wegen der Funkausstellung ihre Geschäfte von 12 bis 17 Uhr öffnen - und bleiben zuweilen allein im Haus. "Die Hitze ist für uns nicht gerade förderlich gewesen", sagt Tommy Erbe, Sprecher der Werbegemeinschaft im Europa-Center. Rund 70 Prozent der Geschäfte hatten im Center geöffnet, doch es blieb außer an den Eisständen und in den Cafés "relativ ruhig". Am nächsten Sonntag dürfen die Geschäftsleute noch einmal am Sonntag öffnen und können dafür Hoffnung schöpfen: Die heiße Johanna soll bereits am heutigen Montag von Tief "Pablo" abgelöst werden.

Wer glaubt, dass nach diesem bewegten Wochenende jetzt Ruhe in der Stadt einkehren wird, irrt. Spätestens am Donnerstag steht die nächste Großveranstaltung auf dem Plan: die Rundfahrt der Inlineskater. Bei dem Kurs über die Falkenseer Chaussee hinauf zur Frankenwaldstraße in Spandau werden rund 10 000 Teilnehmer erwartet.

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