Berlin bellt (3) : Schnüffeltouren durch den Kiez
23.08.2012 09:40 UhrPunkt elf, die Glocken der St.-Thomas-Kirche läuten. Ein Bellen hallt über den Mariannenplatz. Einmal, zweimal, dreimal. Ein melodisches Jaulen im Takt des Kirchenspiels. „Du bist aber ein sehr christlicher Hund“, sagte Melanie Knies zu Terriermischling Sam und lacht. Dessen Besitzerin versucht, beruhigend auf ihn einzureden. Erst mit dem letzten Glockenschlag verstummt der Rüde. Jetzt kann die Kieztour durch Kreuzberg beginnen.
„Wir gehen hier lang“, sagt Melanie Knies, während sie mit der Hand Richtung Bethaniendamm deutet. Sie leint ihre Hündin Gioia an, dann laufen die zwei Frauen los, die Hunde neben ihnen. Erster Halt ist das Baumhaus an der Mauer, jenes berühmte Fleckchen Erde im Niemandsland zwischen Ost und West, das 1983 von Anwohner Osman Kalin annektiert, entrümpelt, bepflanzt und bebaut wurde.
Heute ist es ein Stück skurriler Zeitgeschichte. Es erinnert daran, welche Kuriositäten im Schatten der Grenze gedeihen konnten. Eine Touristenattraktion jenseits der staatstragenden Sehenswürdigkeiten. Ein kurzer Exkurs zur bewegten Historie des Baumhauses, während Sam und Gioia emotionslos bleiben, und weiter geht’s. Die nächsten Stationen: das Rauch-Haus, die Ton-Steine-Gärten, der Kinderbauernhof.
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Es ist keine gewöhnliche Stadtführung, auf die sich Melanie Knies an diesem sonnigen Donnerstagvormittag mit der Touristin aus Salzgitter begibt. Die 40-Jährige hat sich auf Rundgänge für Hundebesitzer spezialisiert, bietet verschiedene Touren durch verschiedene Stadtteile an. Zwei- bis dreistündige Spaziergänge durch kleine Seitenstraßen und möglichst wenig befahrene Kieze. Zur Begrüßung erhalten die Teilnehmer ein Tütchen, mit denen unterwegs anfallender Hundedreck beseitigt werden kann, zudem gibt es kleine Leckerlis für Tier und Mensch. Hundekekse und Bonbons.
Die Führung durch Kreuzberg sei ihre beliebteste Tour, erzählt Melanie Knies später, als sich ihre Begleiterin samt Sam am Görlitzer Park verabschiedet hat. Gioia, Knies’ vierjähriger, zum Therapiehund ausgebildeter Jagdhundmischling, trottet immer noch an der Leine neben ihrer Besitzerin her; sie hat das Lauftempo jetzt etwas reduziert. Das Durchatmen nach dem strammen Marsch zuvor haben sich Mensch und Tier verdient.



































