Berlin-Besuch : Obama plant Spaziergang durch die Stadt

Während seines Aufenthaltes in Berlin will sich Barack Obama auch die Stadt ansehen. Ein Besuch am Checkpoint Charlie ist bereits im Gespräch. Derweil werden zehntausende Zuschauer auf der "Kandidaten-Fanmeile" erwartet. Obama wird so platziert, dass die Kameras auch das Brandenburger Tor aufnehmen können.

Jörn Hasselmann[Rita Nikolow],Christian van Lessen

Wie viele Menschen zur Siegessäule und zur Straße des 17. Juni kommen, um den designierten demokratischen Präsidentschaftskandidaten zu sehen und zu hören? Die Behörden sind gespannt. „Es lässt sich schwer abschätzen“, sagte Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe: „Wir rechnen mit einer Besucherzahl zwischen 10 000 und einer Million“. Es wird zwischen Großem Stern und Brandenburger Tor eine Fanmeile geben, mit etlichen Videowänden, auf denen Barack Obamas Rede übertragen wird.

Der Senator aus Illinois wird nach derzeitigen Informationen am Donnerstag gegen 9 Uhr in Berlin landen, gegen 12 Uhr mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und gegen14 Uhr mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier zusammenkommen. Danach könnte es einen als „privaten Spaziergang“ bezeichneten Besuch mehrerer Orte geben, die mit dem deutsch-amerikanischen Verhältnis in Verbindung stehen. Aus Kreisen der USDemokraten ist zu hören, dass der Gast den Checkpoint Charlie oder auch den Flughafen Tempelhof ansteuern dürfte. Auch die Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße interessiert ihn. Gegen 19 Uhr beginnt die etwa einstündige Rede auf dem Großen Stern. Der Politiker wird so platziert, dass er die Siegessäule im Rücken hat und die Kameras auch das Brandenburger Tor aufnehmen. Übernachten wird er nach derzeitigem Stand im Interconti an der Budapester Straße, dort soll auch der amerikanische Pressetross untergebracht werden. Am Freitag gegen 9 Uhr reist Obama wieder ab.

Mittes Baustadtrat betonte, der Besuch stelle vor allem die Polizei und die Verkehrslenkung vor große Aufgaben, die Abstimmungen liefen. Ansonsten fühle sich der Bezirk nach etlichen Fanmeilen routiniert genug. „Uns kann nichts mehr schocken“. Die Fanmeile werde von der Agentur organisiert, die kürzlich auch das Volksfest zur Eröffnung der amerikanischen Botschaft gemanagt habe.

Auch wenn es eine Wahlkampfreise ist, wird Berlin mehrere hundert Polizisten zur Verfügung stellen – und vor allem den Verkehr regeln und die Absperrungen organisieren. Obama habe ein „berechtigtes Schutzinteresse“, hieß es im Präsidium. Allerdings werde er auch einen Tross Leibwächter mitbringen.

Die Gefährdungsstufe wird für jeden Besuch vom Bundeskriminalamt festgelegt. Die höchste Stufe 1 haben in der Regel nur Staatsoberhäupter Israels, Russlands und der USA. Obama bekam die „2“. In diese Bewertung floss das große öffentliche Interesse an dem Besuch ebenso ein, wie die Tatsache, dass der Kandidat vor einer großen Menschenmenge auftritt.

Doch selbst unbekannte Politiker können hoch gefährdet sein, wie im vorigen Jahr der jemenitische Präsident – weil in Berlin Angehörige eines verfeindeten Clans leben. 2007 hatten 165 Staatsbesucher die niedrigste Stufe 3 („Anhaltspunkte für eine Gefährdung liegen vor“), 16 die Stufe 2 („ein Anschlag ist nicht auszuschließen“) und einer die höchste Stufe 1 – „mit einem Anschlag ist zu rechnen“. Die höchsten beiden Stufen bereiten der Polizei am meisten Arbeit.

Bei den in Berlin lebenden Anhängern der US-Demokraten wächst derweil die Vorfreude auf „ihren“ Präsidentschaftskandidaten. „Ich bin gespannt auf Obamas Rede“, sagte Michael Steltzer, Berliner Vorsitzender der „Democrats abroad“, der offiziellen Organisation der Demokratischen Partei für die im Ausland lebenden US-Bürger. Der Verein will Obamas Auftritt nutzen, um viele der rund 13 400 in Berlin lebenden Amerikaner für die Wahl zu registrieren.

Vor seiner Ankunft in Berlin wird der Kandidat noch einige Flugmeilen zurücklegen: Gestern traf Obama in Afghanistan ein, in den nächsten Tagen sollen Israel und Jordanien folgen, und auch Paris und London stehen im Reiseplan. Aber öffentlich reden wird er nur in Berlin.

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