Berlin : Berlin-Bilder: Sternstunden der Malzeit

Olaf Matthes

Um einen neuen Verlag nicht nur zu gründen, sondern auch erfolgreich zu führen, sind in der heutigen Zeit Mut, Tatendrang, Substanz und kluge Strategien gefragt. Umso erstaunlicher ist es, wenn das erst jüngst etablierte BerlinerÝVerlagshaus Braun als Debut mit einem Buch an die Öffentlichkeit tritt, das sich einem lebenden Künstler widmet. Denn ein großer Verkaufserfolg auf diesem übersättigten Marktsegment scheint da nur selten garantiert, auch wenn in diesem Fall der Künstler Harald Hoffmann de Vere, einer der großen Berliner Maler der Gegenwart, heißt.

Doch dieses Buch ist etwas Besonderes. Es beleuchtet auf eine neue angenehm-unkomplizierte Art die jüngste deutsche Geschichte an fünf symbolischen Brennpunkten Berlins: Auf der einen Seite stehen einfühlsame Essays von Wolf Jobst Siedler, Michael S. Cullen und Renée Zucker, die sich mit dem Brandenburger Tor, dem Reichstag, dem Potsdamer Platz, der Oberbaumbrücke sowie dem Checkpoint Charlie befassen. Diese Essyas geben auch dem weniger Berlin-bewanderten Leser und Betrachter ein Wissensgerüst für die historische Bedeutung dieser Orte, die 1989 den Raum für die jüngsten Sternstunden der Geschichte abgaben.

Boulevard Berlin:
Was die Stadt bewegt...

Den Essays folgen darauf verschiedene künstlerische Darstellungen der fünf geschichtsträchtigen Brennpunkte durch de Vere. Wohl kaum ein anderer Maler bringt für eine künstlerische Durchdringung von (ehemals) so viel Grenze so viele natürliche Voraussetzungen mit, wie der in Berlin aufgewachsene de Vere. Tatsächlich berühren sich bei ihm Geschichte und Gegenwart immer wieder in ausdrucksstarken Bildern. De Vere war es als einzigem Maler über einen längeren Zeitraum gestattet, die Bauarbeiten im Inneren des Reichstags von der Entkernung bis hin zum Neubau mit alter Hülle zu beobachten und künstlerisch zu begleiten. Der Prozess ist hier erstmals eindrucksvoll nachzuvollziehen.

Dieses exzellent ausgestattete und mit hervorragenden Reproduktionen versehene Berlin-Buch eignet sich nicht nur als besonderes Geschenk, es ragt auch in der schieren Masse der Berlin-Literatur als außergewöhnliches Werk hervor.

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