Berlin-Charlottenburg : Null-Promille auf Spielplätzen

Nie wieder Alkohol: Als erster Bezirk hat Charlottenburg nun ein Verbot durchgesetzt, das den Konsum von Alkohol auf Spiel- und Bolzplätzen untersagt. Unnachgiebige müssen bis zu 5000 Euro zahlen. Aber wer soll das alles kontrollieren?

Saskia Weneit
Spielplätze
Das erste Verbotsschild steht schon im Preußenpark -Foto: Bezirksamt

BerlinDie Vorbildfunktion war bei der Maßnahme ein entscheidendes Motiv: "Alkohol hat auf Spiel- und Bolzplätzen nichts zu suchen. Mit dem Konsumverbot soll die unerwünschte Vorbildfunktion gegenüber Kindern und Jugendlichen verhindert werden", sagte Vizebürgermeister Klaus-Dieter Gröhler (CDU).  Auch die Vermüllung von Spielplätzen spielte eine Rolle bei der Entscheidung für das Verbot. "Gerade Glasscherben, die meist als Party-Müll zurück bleiben, erhöhen die Verletzungsgefahr für Kinder."

Vor allem Jugendliche, die sich abends auf Spielplätzen zu Saufgelagen verabreden, soll das Verbot treffen. Denn betrunkene Jugendliche vandalieren auch mal. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf gibt jährlich 400.000 Euro für Reparaturen in Grünanlagen aus. Doch ob das bei Jugendlichen zieht, wird sich zeigen. Eine andere Frage, die sich auch die Bürgerinitiative Preußenpark stellt, ist, wie das Verbot kontrolliert werden soll.

Eine Nichtbeachtung kann durch ein Ordnungswidrigkeitsverfahren geahndet werden. Wer sich weigert, nach einer Aufforderung das Trinken einzustellen, kann vom Platz verwiesen werden. Ganz Unnachgiebige müssen mit einem Bußgeld von 35 Euro rechnen. Wiederholungstäter riskieren ein Verfahren mit bis zu 5000 Euro Strafe.

Flächendeckende Kontrollen seien nicht machbar

Bei 130 Spielplätzen in dem Bezirk könnte das Überprüfen schwierig werden. Skepsis schleicht sich vor allem ein, da im Sommer dieses Jahres Vorwürfe laut wurden, in Charlottenburg werde halbherzig kontrolliert, seitdem das Ordnungsamt - früher unter Leitung von Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) - nach den Wahlen zum neuen Wirtschaftsstadtrat Marc Schulte (SPD) wechselte. Das illegale Händlertreiben in dem Park erregte große Aufmerksamkeit diesen Sommer und provozierte viele Beschwerden. Ein schlechtes Omen für die Konsequenz des neuen Alkoholverbots?

Bezirksstadtrat Marc Schulte wehrt sich gegen die Vorwürfe: "Wir haben nur eine begrenzte Anzahl an Personal und da ist es klar, dass nicht alle Bereiche kontrolliert werden können." Seinen Angaben zufolge sei es nicht die Aufgabe des Ornungsamtes, die Spielplätze flächenendeckend zu überwachen. "Es gilt, Schwerpunkte zu bilden." Dort, wo Brennpunkte bekannt sind - wie im Preußenpark - soll verstärkt kontrolliert werden. Die Ordnungshüter werden bis 22 Uhr auf das Einhalten des Alkoholverbots achten, danach ist die Polizei zuständig.

Auch andere Bezirke ziehen nach

Aller Skepsis zum Trotz  sind andere Bezirke ebenfalls begeistert von der Idee: Spandau hat das Alkoholverbot bereits beschlossen. Ende des Jahres werden auch hier Schilder aufgestellt. Auch der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg soll über das Verbot diskutieren. Der große Vorteil: Beschweren sich beispielsweise Eltern über Alkohol trinkende Leute auf dem Spielplatz, können Ordnungskräfte und Polizisten nun auch handeln, da gegen ein ausdrückliches Verbot verstoßen wird.

Der Alkoholkonsum ist aber nicht das einzige Thema, das den Bezirksvorsitzenden Kopfzerbrechen macht. Neben dem Verbot von Radfahren, Rauchen und dem Mitbringen von Hunden soll demnächst auch das Tragen von Fahrradhelmen auf Spielplätzen verboten werden. Zu gefährlich, findet Gröhler: "Wir wollen verhindern, dass Kinder mit den Helmen an den Spielgeräten hängen bleiben."

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