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Berlin-Friedrichshain : Postbahnhof-Club soll ausziehen - zu "uncool"

Seit Jahren gibt es Streit zwischen Eigentümern und Betreibern des Postbahnhofs. Im Juli entscheidet ein Gericht über die Räumungsklage.

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Der Postbahnhof ist als Event-Raum sehr begehrt.
Der Postbahnhof ist als Event-Raum sehr begehrt.Foto: imago/Schöning

Der Club- und Messeveranstalter P.Ostbahnhof muss seine Location am Ostbahnhof möglicherweise räumen. Am 1. Juli soll über eine Räumungsklage verhandelt werden – nach Einschätzung eines Gesellschafters der Eigentümer-GmbH, der anonym bleiben möchte, „nur eine Formalität“. P.Ostbahnhof sei bereits seit Januar 2015 gekündigt worden und müsse im Juli ausziehen. Da es sich um Gewerberäume handelt, gibt es keinen gesetzlichen Mieterschutz.

Am Montag meldete sich der Anwalt des P.Ostbahnhof, Stephan Gaerdt, mit ganz anderen Formalien: Der Mietvertrag sei nicht ordnungsgemäß gekündigt, das Mietverhältnis damit "nicht wirksam beendet" worden. Allerdings deutet Gaerdt an, dass der Mietvertrag befristet ist - wann er ausläuft, bleibt unklar. Der Geschäftsführer des Clubs, Gregor Veidt, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der Streit zwischen Eigentümern und Clubbetreibern ist schon einige Jahre alt. 2004 hatten die Betreiber das denkmalgeschützte Backsteingebäude von der Post gemietet, zu günstigen Konditionen. Später verkaufte die Post das Gebäude an die jetzigen Eigentümer. Die hatten andere Pläne – und einen deutlich anderen Musikgeschmack.

Chart-Hits und Oldies zum Abtanzen

Bis Juli 2015 firmierte der Postbahnhof unter dem Label Fritz-Club, die Zusammenarbeit mit der RBB-Radiowelle für Jugendliche endete jedoch unter ungeklärten Umständen. Unter dem neuen Namen organisieren die Clubmacher seitdem am Wochenende Partys mit Chart-Hits und Oldies zum Abtanzen für eine etwas ältere Zielgruppe – in der Woche gibt es Messebetrieb: Immobilien, Hochzeitsbedarf, Kunst, Karriereplanung – die Themen variieren. Auch Privatpartys und Abibälle stehen auf dem Programm.

„Das passt nicht zum Postbahnhof“, findet der Gesellschafter, der in einem hinteren Gebäudeteil Bürolofts vermietet, unter anderem das Funkhaus Nalepastraße entwickelt und sich vor allem als Kulturmanager begreift. Die Veranstaltungen im Club seien "uncool". Das durchaus renommierte Konzertprogramm im Postbahnhof möchte er dagegen weiterführen - "find ich cool", sagt der Gesellschafter.

Adidas interessierte sich für den Postbahnhof

Nach seinen Angaben hatte sich der Sportartikelhersteller Adidas bereits für den Postbahnhof interessiert. Weil die Clubmacher nicht ausziehen wollten, sei Adidas schließlich mit seiner „Football Base“, einem Indoor-Bolzplatz für Jugendliche, in die Uferhallen nach Wedding gezogen. Für den Postbahnhof gebe es aber immer noch genügend Interessenten.

Denkbar also, dass ein anderer Global Player das ehemalige Postgebäude übernimmt. Die elegant geschwungene Halle, in der früher Postsendungen für den Bahntransport verpackt wurden, vermittelt den Backstein-Charme aus der Kaiserzeit – damit schmücken sich gerne Unternehmen, die auf ihr Image Wert legen und als kreativ und innovativ gelten möchten. Das Postfuhramt in Mitte, ebenfalls ein Backstein-Juwel, wird gerade zur Repräsentanz des Medizinunternehmens Biotronic ausgebaut. Bislang befindet sich die Biotronic-Zentrale in einem unscheinbaren Bürogebäude in Neukölln.

Vor dem Bahnhof entstehen Bürohäuser

Neben dem Postbahnhof, erbaut 1907, gab es bis zum Zweiten Weltkrieg noch ein prächtiges Bahnhofspostamt, das durch Bomben schwer zerstört wurde und anschließend nur teilweise neu entstand. Der Postbahnhof überlebte dagegen fast unbeschädigt und wurde noch lange Zeit als solcher genutzt. In der oberen Etage befindet sich die Gleishalle, dort wurden die Güterwaggons be- und entladen. Vor dem Postbahnhof entstehen demnächst mehrere Bürogebäude, die den Bahnhofsbau deutlich überragen. Von der Mühlenstraße aus wird ab 2018 nicht mehr viel vom schmucken Backstein zu sehen sein.

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