Berlin : Berlin für Musikfreunde: Von Profis und Anfängern

Frederik Hanssen

Lieben Sie Lortzing? War es Ihnen ein Herzensbedürfnis, dem Schöpfer der Opernhits "Zar und Zimmermann", "Wildschütz" und "Waffenschmied" zu seinem 150. Todestag am 21. Januar einen Blumenstrauß aufs Grab zu legen - wenn Sie nur geahnt hätten, wo der Komponist in Frieden ruht? Christine Mitlehner und Ulrike Baak wissen Rat in solchen Fällen: Auf dem Kirchhof II der Sophien-Gemeinde in der Bergstraße in Mitte findet man Lortzings Ehrengrab in der Abteilung IX-6-47/48.

Ein Denkmal für den Meister der deutschen Spieloper gibt es außerdem nahe der Rousseau-Insel im Tiergarten. In ihrem neuen Handbuch "Berlin für Musikfreunde" beantworten Mitlehner und Baak (fast) alle Fragen, die sich beim Wandeln durch die hiesige Musiklandschaft stellen. Auf 336 Seiten haben die beiden Autorinnen Informationen über die klassische Musik und ihre Komponisten zusammengetragen, die in irgendeinem Bezug zu Berlin stehen - von den großen Opernhäusern bis zum kleinen Gemeindechor, von den Philharmonikern bis zur Bezirksmusikschule, von den Konzertkassen bis zu den Fachbibliotheken. Alles findet sich in diesem Buch wieder.

Die Liste mit den Grabstätten, Gedenktafeln und Standbildern unsterblicher Heroen der Tonkunst ist dabei sicher der kurioseste Aspekt, der breite Raum, der den - im Feuilleton-Alltag oft sträflich vernachlässigten - Laien- und Kirchenchor-Aktivitäten eingeräumt wird, der erfreulichste. Die beiden Autorinnen haben wirklich die gesamte Szene durchforscht, und sie geben ihre Erkenntnisse ebenso engagiert wie professionell weiter: Jede Präsentation beginnt mit einem Service-Vorspann, der von Preisen und Kassenöffnungszeiten über Verkehrverbindungen (einschließlich Hinweisen zur Parkplatzsituation!) bis hin zur Internet-Adressen gleich ein pralles Infopaket bietet. In den Texten werden die einzelnen Orte und Organisationen in sachlichem, aber nie trockenem Ton beschrieben.

Dass dabei die Staatskapelle vor den Philharmonikern auftaucht und die Staatsoper mit dem weitaus längsten Artikel gewürdigt wird, ist durch die lange Tradition der beiden Institutionen gerechtfertigt, mag aber auch daher rühren, dass Christine Mitlehner lange als Dramaturgin Unter den Linden gearbeitet hat. Interessant zu lesen ist die Geschichte der einstigen preußischen Hofoper in jedem Fall, ebenso wie der Exkurs über die bewegte Geschichte jener 1896 eröffneten Architektur-Bonbonniere, in der heute das Theater des Westens residiert.

Wer in diesem Handbuch "nur mal eben schnell was nachschlagen" will, riskiert, sich festzulesen. Die Gefahr, im Angebotsdschungel der Metropole mit dem größten Musikangebot der Welt verloren zu gehen, aber ist Dank des neuen Führers gebannt. Hätte der Parthas-Verlag noch Platz für ein Namens- und Ortsregister spendiert, das Lesevergnügen wäre vollkommen. Aber auch so ist dieses Berlin-Buch ein Muss für jeden, der klassische Musik am liebsten live erlebt. Und was Albert Lortzing betrifft: Wer ihm einen Blumenstrauß spendieren will, hat noch eine zweite Chance. Am 23. Oktober jährt sich sein Geburtstag zum 200. Mal.

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