Berlin : Berlin gibt das Rennen gegen Hamburg nicht verloren

Opposition bemängelt das undiplomatische Vorgehen des Regierenden Nur Linksparteichef Lederer lehnt eine Bewerbung wegen der Kosten ab

Sabine Beikler,Werner van Bebber

Berlin will die Olympischen Spiele – und Hamburg will sie auch. Auf den Vorstoß des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit haben jetzt die Länder der „Nordallianz“ reagiert: Die Länderregierungschefs Ole von Beust (Hamburg), Peter Harry Carstensen (Schleswig-Holstein) und Christian Wulff (Niedersachsen), alle CDU, sind für eine Hamburger Bewerbung. Wowereit hatte am 7. Juli im Tagesspiegel-Interview eine neue Bewerbung um die Olympischen Spiele 2016 oder 2020 ins Gespräch gebracht. Im Rathaus lässt man sich von der „Nordallianz“ nicht irritieren. Der stellvertretende Senatssprecher Günter Kolodziej spricht von einer „normalen Konkurrenzsituation“ zweier Städte.

In Berlin hat Wowereits Vorstoß Anerkennung gefunden, Kritik gibt es an der Umsetzung. Man gibt Wowereit Recht, der im Tagesspiegel gesagt hatte, Großveranstaltungen wie die Fußballweltmeisterschaft oder Olympische Spiele brächten die Menschen zusammen und erzeugten einen „neuen Spirit“, von dem die Stadt profitieren würde. Sogar notorische Senatskritikerinnen wie die FDP-Sportpolitikerin Mieke Senftleben stimmen Wowereit bei der These zu, dass sich Berlin für 2016 bewerben soll, auch wenn die Chancen für den Zuschlag schlecht stünden. 2012 sollen die Spiele in London stattfinden. Dass eine europäische Stadt den Zuschlag für die folgenden Spiele erhalten könnte, ist unwahrscheinlich.

Die gute Stimmung der WM-Zeit hat trotzdem Mut gemacht. Peter Danckert (SPD), Vorsitzender des Sportausschusses des Bundestags, unterstützt Wowereit und visiert 2016 an. Die Erfahrungen anderer Städte hätten gezeigt, dass man sich mehrfach bewerben müsse. Danckert will sich „gewiss nicht gegen Hamburg“ aussprechen. Doch habe Berlin „das natürliche Recht als Hauptstadt“, sich zu bewerben. Das Internationale Olympische Komitee habe bisher nur große Metropolen wie Athen, Peking oder London berücksichtigt.

Ähnlich sieht es der CDU-Spitzenkandidat Friedbert Pflüger. „Ich habe mich schon vor Monaten für Olympische Spiele in Berlin ausgesprochen. Berlin wäre – die WM hat es gezeigt – ein fantastischer Gastgeber.“ Doch bemängelt die CDU die diplomatischen Bemühungen Wowereits. Pflüger führt die Ablehnung der Nordländer-Chefs auf „die Isolation“ zurück, in der der rot-rote Senat bundesweit agiere. Und CDU-Fraktionschef Nicolas Zimmer sagt, es habe „Charme“, wie klug die Hamburger agierten. Bei Wowereit bemerkt er „die typische Berliner Überheblichkeit“. Es reiche nicht, sich nach dem Motto „Wir sind wir“ zu bewerben.

FDP und Grüne erwarten mehr als nur frischen Mut in guter Stimmung. Das Finanzierungskonzept müsse stehen, sagt Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann. Auch müssten Bund und Länder eine Berliner Bewerbung mittragen. In den frühen 90er Jahren hatte der Berliner Senat umgerechnet 25 Millionen Euro für die Bewerbung ausgegeben. Die Stadt Stuttgart, die sich 2001/03 bemüht hatte, gab fast zehn Millionen Euro dafür aus. Senftleben regt an, Berlin und Hamburg könnten sich gemeinsam bewerben.

Fundamentalkritik an Wowereits Vorstoß kommt ausgerechnet vom Koalitionspartner. Klaus Lederer, Landeschef der Linkspartei, findet die neue Olympia-Debatte „grotesk“ und fragt: „Woher sollen wir das Geld für eine Bewerbung nehmen?“ Von einem „neuen Spirit“ durch Olympia in Berlin, wie ihn Wowereit prophezeit, könne sich Berlin nichts kaufen. „Dann sollte man doch eher von den Millionen für eine Bewerbung die teilprivatisierten Wasserbetriebe zurückkaufen.“ Der Deutsche Olympische Sportbund entscheidet, wer sich als nationaler Austragungsort bewirbt.

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