Berlin-Glosse : Falscher Hase, echte Kosten

Die AfD? Zieht nicht ins Parlament ein. Das Essen? Fürstlich-sozialdemokratisch. Lorenz Maroldt über ein ziemlich spezielles Demoskopie-Dinner der Degewo.

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Es kam anders als im April vorhergesagt: Im Plenarsaal des Abgeordnetenhauses von Berlin werden bald auch AfD-Abgeordnete Platz nehmen.
Es kam anders als im April vorhergesagt: Im Plenarsaal des Abgeordnetenhauses von Berlin werden bald auch AfD-Abgeordnete Platz...Foto: Thilo Rückeis

In der Berliner Politik ist ja gerade viel von Enten die Rede – und deshalb geht es auch in folgender Geschichte um Enten: Die Degewo, als landeseigene Wohnungsbaugesellschaft eine Art natürliche Vorfeldorganisation der SPD, hilft nicht nur dem Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel, kritische Journalistenfragen zu verschleppen, sondern versorgt auf Kosten der Steuerzahler und ihrer Mieter auch gerne politische Hinterzimmerkreise im Vier-Sterne-Ambiente mit teurem Essen und edlen Weinen.

So zum Beispiel geschehen am 29. April 2016, als Berliner Sozialdemokraten zu ihrer „Freitagsrunde“ ins Hotel Maritim luden, zu einem Vortrag von Forsa-Chef Manfred Güllner über „Die neue Rechte in Deutschland“ – zum Dessert gab’s ein paar Zahlen zur Stimmungslage in Berlin. Mehr als 15 000 Euro investierte die Degewo an diesem Abend ins sozialdemokratische Wohlbefinden. Die Gäste erfuhren von Güllner dafür unter anderem, dass die AfD im Sinkflug ist und bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus womöglich den Einzug ins Parlament verfehlt.

Tja, das war dann wohl eine Ente, oder vielleicht auch ein falscher Hase. Hauptsache, es hat geschmeckt (bezahlt haben’s ja andere).

Dieser Text erschien im täglichen Berlin-Newsletter „Checkpoint“ des Tagesspiegel-Chefredakteurs Lorenz Maroldt. Kostenlos abonnieren können Sie den Newsletter unter checkpoint.tagesspiegel.de.

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