Berlin : Berlin kann einpacken

Am Freitag dürfen alle Berliner ein Paket auf Kosten der Post versenden – das könnte in vielen Bezirken die Filialen lahm legen

Jörn Hasselmann

Am Freitag empfiehlt sich ein Besuch einer beliebigen Postfiliale – oder auch nicht. An diesem Tag offeriert die Post AG zu ihrem zehnten Jahrestags des Börsengangs ihren Kunden ein bislang einmaliges Werbegeschenk – und zwar allen: Jeder deutsche Haushalt darf am Freitag ein Standardpaket gratis verschicken, spart also theoretisch 14 Euro. Der Preis könnte hoch sein: Die Post erwartet einen erheblichen Andrang in den Postämtern. „Es wird nicht zu vermeiden sein, dass es etwas länger dauern könnte“, sagte die Berliner Postsprecherin Anke Baumann vorsichtig. Denn völlig ungewiss sei, wie viele Haushalte das Angebot nutzen werden – und am Freitag in die Filialen stürmen. Denn der kleine Haken an dem Angebot ist: Die Paketmarke gilt ausschließlich am Freitag. Ansonsten aber ist es eine ganz normale Paketmarke, die Sendung ist also bis 500 Euro versichert. Sie gilt für das ganze Bundesgebiet und für maximal 20 Kilo, als Maximalmaße sind 120x60x60 Zentimeter erlaubt.

Die Marke sollen im Bundesgebiet 35 Millionen Haushalte bekommen – all die, die keinen Hinweis „Keine Werbung“ am Kasten haben. Denn die Post stuft ihre eigene Gratismarke als Werbung ein, wer sie unbedingt haben will, sollte heute und morgen den Aufkleber am Briefkasten abreißen. Bundesweit gibt es nach Postangaben etwa sieben Millionen Werbeverweigerungs-Haushalte. Die ersten Marken sind bereits verteilt worden, bis Donnerstag sollen alle die Marke erhalten – also die 1,9 Millionen Berliner Haushalte minus die geschätzt zehn Prozent Werbe-Verweigerer.

Wenn nur zehn Prozent der Marken in den Filialen eingelöst werden, sind das etwa 200 000 Berliner zusätzlich zu den geschätzt 100 000 Kunden an normalen Tagen. Postsprecherin Anke Baumann glaubt, dass ein „Großteil der Berliner“ das Gratisangebot nutzen werde, auf eine Zahl wollte sie sich nicht festlegen. Die zuerst bundesweit genannte Prognose von 10 bis 15 Prozent sei jedoch zu niedrig. Bei dieser Resonanz würde das Angebot die Post 50 bis 75 Millionen Euro kosten.

„Wir brechen nicht zusammen“, versprach eine Postsprecherin, „das wird wie im Weihnachtsgeschäft“. Am Freitag solle zusätzliches Personal die Gratis-Kunden schon im Eingang der Filialen abfangen und mit mobilen Erfassungsgeräten ausstatten. „Die sollen den Druck auf die Schalter abfangen“, sagte Postsprecherin Baumann. Denn am Freitag sollen auch Kunden mit den üblichen, kostenpflichtigen Wünschen bedient werden. Briefmarken lassen sich auch prima am Donnerstag oder am Sonnabend kaufen, wirbt die Post. Kleinere Filialen mit geringer Lagerfläche sollen mehrfach an diesem Tag geleert werden, damit die Regale nicht überlaufen. Die Abgabe der Gratispakete ist auch an den neuen Packstationen möglich, von denen es bereits 78 in Berlin gibt. Allerdings könne es natürlich passieren, dass die Automaten voll seien – dann werde man dort sein Paket nicht los.

Die Aktie der Post hatte am Montag – nach Ankündigung der Werbeaktion – zugelegt: um 0,2 Prozent auf 18 Euro.

Die Paketpost im Internet:

www.dhl.de

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