Berlin : Berlin kommt voran: Mehr Sicherheit für Radfahrer

Einmal im Jahr gehört die Stadt den Radlern – bei der Sternfahrt. Im Alltag ist es noch ein langer Weg zur Fahrradstadt.

Jörn Hasselmann

Rad fahren in Berlin wird immer beliebter – und das nicht nur am Tag der alljährlichen Fahrradsternfahrt mit 250000 Teilnehmern. Derzeit werden etwa zehn Prozent aller Wege mit dem Rad zurückgelegt. Bis 2010 soll dieser Anteil nach dem Willen des Senats auf 15 Prozent gesteigert werden – das sind 100 000 Fahrten mehr pro Tag. Gleichzeitig sinkt die Zahl der schweren Unfälle. Während es 2003 noch 24 Tote gab, waren es 2004 elf. In diesem Jahr sind bislang zwei Opfer zu beklagen. „Berlin wird für Radler immer sicherer“, sagt der Fahrradbeauftragte des Senats, Benno Koch. Fünf Millionen Euro zahlt die Stadt pro Jahr, um den Radverkehr zu verbessern.

Mehr Sicherheit bringen vor allem die neuen – weiß markierten – Radspuren auf dem Asphalt. Auf diesen werden Radler von Autofahrern besser wahrgenommen als auf Bürgersteig-Pisten. „Die Zahl der Unfälle wird weiter sinken, wenn es diese Radspuren flächendeckend gibt“, sagt Rainer Paetsch von der Verkehrspolizei. Auf herkömmlichen Radwegen werden Radler zudem oft von Rechtsabbiegern übersehen. „Die Schutzstreifen sind deshalb eine phantastische Sache.“

Pro Jahr will der Senat zehn Kilometer dieser Streifen an Hauptstraßen markieren, kündigt der für Straßenbau zuständige Referatsleiter Heribert Guggenthaler an. Ende 2005 sollen 70 Kilometer fertig sein. Als nächstes kommen Spuren hinzu auf der Greifswalder Straße in Prenzlauer Berg, der Engler- und Pacelliallee in Dahlem und der Richard-Wagner-Straße in Charlottenburg. Fertig ist die Radspur, die stadteinwärts über die Stralauer Straße und die Holzmarktstraße zur Mühlenstraße führt. Dort wurde den Autos eine Spur weggenommen. Das ist neu: Früher gab es nur Verbesserungen für Radler, wenn diese nicht zu Lasten der Autofahrer gingen.

Außer den Radspuren lässt der Senat auch die seit zehn Jahren geplanten – und eher für Touristen und Ausflügler gedachten – Fahrradrouten erweitern. Vor einigen Wochen war die erste Route von Mitte nach Wannsee eröffnet worden, sechs weitere sollen in diesem Jahr dazukommen. Langfristig entsteht ein Netz aus 20 Strecken.

Bei all den positiven Nachrichten droht Radlern dennoch eine massive Verschlechterung: Das Bundesverkehrsministerium will im Herbst die Straßenverkehrsordnung ändern. Demnach sollen sich Radler künftig in die Autoschlange vor roten Ampeln oder Staustellen einreihen. Verboten wäre dann das bisher übliche Vorbeifahren. Das Anstellen diene der Sicherheit, heißt es. Mit derselben Begründung war das Vorbeiradeln vor wenigen Jahren erst eingeführt worden. Derzeit liegt der Entwurf der Polizei und dem Senat zur Stellungnahme vor – und die ist eindeutig: Berlin wird im Bundesrat gegen die Änderung stimmen. Nach Meinung der Polizei würde sich sowieso kein Radler daran halten.

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