Berlin-Marzahn : Nach einem Bagger-Brand auf dem Iga-Gelände lief Flüssigkeit aus

Mehr als zwei Wochen stand ein ausgebrannter Bagger auf dem Iga-Gelände in Marzahn. Eine ölig riechende Flüssigkeit lief ungehindert aus. Erst als Anwohner das anzeigten, wurden die Ämter aktiv.

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Der ausgebrannte Bagger am Kienberg in Marzahn.
Der ausgebrannte Bagger am Kienberg in Marzahn.Foto: Privat

„Ich bin kein Mitglied der Bürgerinitiative“, sagt Peter R. (Name geändert): „Aber wenn es um Umweltverschmutzung geht, reagiere ich allergisch.“ Und was der 66-Jährige am zweiten Weihnachtsfeiertag zu Gesicht bekam, sah seiner Meinung nach sehr nach Umweltverschmutzung aus.

„Ich hatte gehört, dass vor einigen Tagen ein Bagger abgebrannt sei, und wollte mir das mal ansehen“, erzählt Peter R., der in der Nähe des Kienbergs in Marzahn wohnt. Dort begannen im Herbst erste Vorbereitungsarbeiten für die Internationale Gartenausstellung (Iga) im Jahr 2017, die ursprünglich auf dem Tempelhofer Feld stattfinden sollte.

Durch den Schnee lief eine gelbliche Flüssigkeit

„Ich war erschrocken, weil aus dem Bagger offenbar ziemliche Mengen Diesel oder ein Ölgemisch austraten“, sagt Peter R: „Der Bagger stand etwas erhöht, zu ihm führten Fahrzeugspuren durch den frischen Schnee und in denen lief eine gelbliche Flüssigkeit den Kienberg hinab.“

Die habe ölig gerochen, ist sich R. sicher, der zu diesem Zeitpunkt noch davon ausging, dass der Bagger nach Weihnachten, also am 27. Dezember, entfernt würde. Doch am 28. Dezember war immer noch nichts passiert und so erstattete R. am 29. Dezember Anzeige beim zuständigen Ordnungsamt.

Und er war nicht der einzige. Auch andere Bürger hatten bemerkt, dass da etwas in den Boden lief. „Gleich nebenan ist der Grenzgraben und der führt in den Wuhleteich“, sagt R.: „Nachdem ich jetzt gehört habe, dass der Bagger schon am 15. Dezember gebrannt hat, befürchte ich, dass das Zeug auch dorthin gelangt ist.“

LKA geht von Brandstiftung aus

Bei der Feuerwehr kann man sich das eigentlich nicht vorstellen. Dort wird bestätigt, dass der Bagger am 15. Dezember gegen 19.30 Uhr „in ganzer Ausdehnung“ brannte. Man habe ihn mit Schaum gelöscht und gegen 23.30 Uhr noch einmal die Einsatzstelle überprüft. „Unsere Löschfahrzeuge haben alles für den Umweltschutz dabei“, sagt Feuerwehr-Sprecher Stephan Fleischer: „Und sie würden eine lecke Stelle in jedem Fall zunächst einmal sichern.“ Das weitere Vorgehen liege dann in der Verantwortung des Betreibers, und das ist die IGA Berlin 2017 GmbH. Dort war am gestrigen Freitag niemand erreichbar, doch Frank Petersen, der Sprecher des Bezirksamts Marzahn-Hellersdorf sagte, diese hätte den Bagger nicht entfernen dürfen: „Da laufen ja noch polizeiliche Ermittlungen“. Tatsächlich geht das Landeskriminalamt, das inzwischen auch wegen des Umweltdelikts ermittelt, von Brandstiftung aus.

Nachdem nach Weihnachten nicht nur bei der Polizei sondern auch beim Ordnungs- und Umweltamt in Marzahn-Hellersdorf Anzeigen von besorgten Bürgern eingegangen waren, habe der Bezirk umgehend reagiert, sagt Petersen. „Das Ordnungsamt war am 30. Dezember vor Ort, die Feuerwehr hat Planen und Wannen aufgestellt, um austretende Flüssigkeit aufzufangen, mit der Baufirma wurde vereinbart, dass am kommenden Montag die Aufräumungsarbeiten beginnen.“

Eine Frau hat Proben gesichert

Petersen bedauert, dass der Eindruck entstanden sei, es habe sich nichts getan. „Das ist nicht der Fall, nur konnte es wegen der Feiertage nicht sofort kommuniziert werden“, sagt er. Bezirksstadtrat Christian Gräff (CDU), in Marzahn-Hellersdorf zuständig für Wirtschaft und Stadtentwicklung, ist der Ansicht, dass der auslaufende Stoff nichts mit dem Bagger zu tun hat. „Mein Tiefbauamt war vor Ort“, sagt er. Gräff vermutet hinter den Anzeigen die Bürgerinitiative, die sich gegen die im Zusammenhang mit der Iga geplanten Großbauvorhaben auf dem Kienberg und im Wuhletal engagiert.

„Wir wollen auch nicht, dass ein großer Teil des bisher frei zugänglichen Naherholungsgebiets eingezäunt wird“, sagt Cornelia Kahl, Gründungsmitglied der Bürgerinitiative. Sie hat Proben der ausgelaufenen Flüssigkeit gesichert und ebenfalls Anzeige erstattet. Und sie ist – genau wie Peter R. und viele andere Anwohner – empört darüber, dass die Behörden erst danach aktiv wurden.

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