Berlin-Mitte : Erstes Top-Grundstück am Humboldthafen verkauft

Zwei ausländische Investoren lieferten sich bis zuletzt einen Bieterwettlauf, jetzt ist das erste Baufeld am Humboldthafen, dem begehrten Gebiet neben dem Hauptbahnhof, verkauft. Das Fazit des Liegenschaftsfonds: "Berlin wird teurer“.

Matthias Oloew

Am Schluss blieben zwei Interessenten übrig, die sich gegenseitig überboten. Jetzt ist das Rennen jedoch entschieden: Der Liegenschaftsfonds hat das erste Baufeld am Humboldthafen verkauft. „Der Vertrag ist beurkundet“, sagt Geschäftsführer Holger Lippmann, „der Aufsichtsrat und das Abgeordnetenhaus müssen noch zustimmen.“ Erst danach sei der Kauf perfekt. Lippmann rechnet jedoch nicht damit, dass der Vertrag gekippt werden könnte. 15 Bieter waren im Oktober in den Wettlauf um das 6000-Quadratmeter-Grundstück eingestiegen. Am Ende waren die beiden Investoren aus dem europäischen Ausland unter sich, von denen sich einer durchsetzte.

Über die Höhe des Kaufpreises sagt der Liegenschaftsfonds-Geschäftsführer nichts. Auch den Namen des Käufers behält er für sich. Die große Nachfrage nach den Grundstücken am Humboldthafen, vor den Türen des Hauptbahnhofs, zeige nach Lippmanns Angaben das nach wie vor große Interesse internationaler Investoren am Standort Berlin. „Die aktuelle Finanzkrise hat kaum Auswirkungen auf den Verkauf von Landesgrundstücken.“ Im Gegenteil: „Um besonders gefragte Immobilien erleben wir eine dramatische Konkurrenzsituation.“ Lippmanns Fazit: „Berlin wird teurer.“

Eine Lage, die der Liegenschaftsfonds ausnutzt. Liegen zwei Bieter gleich auf, werden mit beiden Notartermine zur Vertragsunterzeichnung angesetzt – möglichst am selben Tag. Die Konkurrenten wissen, dass sie beide noch im Rennen sind und werden gebeten, bis zur letzten Sekunde – bevor der Notar das Siegel auf die Verträge setzt – ihre Gebote zu erhöhen. Erst nach der Beurkundung erfahren die beiden Bieter, wer den Zuschlag bekommt.

„Diesen Bieterwettlauf bis zur letzten Sekunde gab es beim Verkauf der ehemaligen Charité-Frauenklinik am Spreeufer“, sagt Lippmann. Beim ersten Grundstück am Humboldthafen war dieses Verfahren allerdings nicht mehr nötig. „Am Schluss lag ein Gebot weit vor dem anderen“, so Lippmann, sodass der Doppeltermin beim Notar nicht nötig war.

Die große Nachfrage spiegelt sich auch in den Summen wieder, die der Liegenschaftsfonds an den Finanzsenator abführt. Waren es im vergangenen Jahr über 230 Millionen Euro, sind es in den ersten vier Monaten dieses Jahres schon 100 Millionen Euro. Vor allem der Verkauf der Grundstücke am Humboldthafen verspricht, viel Geld in die Landeskasse zu spülen. Die Flächen werden nun nach und nach – gegen den Uhrzeigersinn – verkauft. Im Juni soll das Bieterverfahren für das nächste Grundstückspaket an der Invalidenstraße beginnen.

Im Laufe dieses Jahres will der Liegenschaftsfonds Grundstücke auch in anderen Innenstadtlagen anbieten. Zum Beispiel am wieder entstehenden Petriplatz an der Fischerinsel in Mitte. Dort, wo einst das Cöllnische Rathaus stand, werden durch den Rückbau der Breiten Straße die alten Parzellen wieder frei. Die Erlöse sollen zum Teil die Investitionen wieder einspielen, die Berlin für den Umbau der Straßen aufwendet.

Dieses Prinzip soll auch bei der kompletten Neugestaltung des Molkenmarkts hinter dem Roten Rathaus gelten. Auch hier sollen die Straßen schmaler, alte Stadtgrundrisse wieder erkennbar werden. Lippmann rechnet mit einer kontinuierlichen Nachfrage: „Vor allem Wohnimmobilien sind begehrt.“

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