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Berlin-Mitte : Neun Türme für den Alex - und DDR-Bauten bleiben

Noch fehlt es an Bauherren für neue Türme, aber dafür soll das Umfeld des Alexanderplatzes schöner werden. So wird der Masterplan überarbeitet.

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Wie sieht's denn hier aus? Der Alexanderplatz mit all seinen Nachbarbauten.
Wie sieht's denn hier aus? Der Alexanderplatz mit all seinen Nachbarbauten.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Erst elf, dann zehn, jetzt neun Türme - das Workshopverfahren der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zur Überarbeitung des Masterplan Alexanderplatz ist abgeschlossen. Wichtigste Nachricht von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher: "Der Alexanderplatz bleibt ein Hochhausstandort" - und trotzdem kommt der Denkmalschutz nicht zu kurz.

Modell des Plans: Der Alexanderplatz im ausgebauten Zustand von Norden aus betrachtet.
Modell des Plans: Der Alexanderplatz im ausgebauten Zustand von Norden aus betrachtet.Foto: Ralf Schönball


Warum überhaupt der Masterplan aus dem Jahr 1993 überarbeitet werden musste? Weil mancher Investor nicht das bauen wollte, was sich Stararchitekt Hans Kollhoff seinerzeit ausgedacht hatte. Und weil zahlreiche Altbauten inzwischen aufwendig saniert und bestens vermietet sind - oder unter Denkmalschutz gestellt sind.

Der Coup der Senatsbaudirektorin

Trotzdem: Ausgelassene Stimmung kam nicht wirklich auf bei der gemeinsamen Vorstellung des überarbeiteten Masterplans für den Alexanderplatz durch Senatsbaudirektorin Regula Lüscher und Hans Kollhoff. Immerhin, dass Berlins Architektenlegende sogar die Mühen eines teils öffentlichen Workshops auf sich nahm, um sein Frühwerk aus dem Jahre 1993 selbst zu überarbeiten, das darf sich die Senatsbaudirektorin durchaus als Coup zugute halten. Zumal sich der schärfste Kritiker ihrer Stadtplanung in den vergangenen Jahren nunmehr selbst für dieselbe verdingt.
Herausgekommen ist, grob gesagt, die Anpassung der städtebaulichen Vision der euphorisierten Nachwendejahre an die Realitäten des Immobilienmarktes im Jahre 2015. Und der ist noch nicht reif für 150 Meter hohe Türme. Deren Errichtung ist so teuer, dass darin sogar Wohnungen trotz gigantischer Nachfrage wohl nur schwer abzusetzen wären.

Kollhoff stellt "Dynamik" fest, neue Eigentümer haben zwei Hochhaus-Bauplätze erworben.


Immerhin stellt Hans Kollhoff seit den jüngsten Deals mit zwei Turm-Bauflächen wieder „Dynamik“ fest durch die neu am Markt auftretenden Eigentümer der Flächen am Kaufhof sowie am Park-Inn-Hotel. Andererseits stecken die einzigen zurzeit konkreten Pläne für zwei Hochhausbauten fest. US-Investor Hines kommt an der Alexanderstraße nicht voran wegen der Bauschäden im darunter liegenden BVG-Tunnel. Und vom angekündigten Turm am lilaroten Alexa-Kaufhaus ist trotz Vorlage von Architektenplänen nichts mehr zu hören.
Dass der Eigentümer des Park-Inn-Hotels dasselbe nicht abreißen würde, nur um zwei neue Türme bauen zu können, war bereits lange klar. Nun bekommt er eine Erweiterungsmöglichkeit. Dass das „Haus des Reisens“ mal zum Denkmal erklärt würde, hätte sich Kollhoff 1993 nicht ausmalen könne, trägt diese Entscheidung heute aber durchaus mit. Der DDR-Bau soll „mit dem Haus des Lehrers in Dialog treten“, wie Lüscher sagt, vor der Kulisse eines neuen Turms, nach Norden versetzt an der Otto-Braun-Straße.

Quartier am Haus des Berliner Verlags droht "vernachlässigter Bereich" zu werden, sagt Lüscher


Stehen bleiben, und das ist eine weiter Korrektur, das unter Denkmalschutz gestellte Haus des Berliner Verlags und die Plattenbauten der Memhardstraße, weil sie „günstigen Wohnraum“ bieten. Doch das Karré ist „schwierig“ so Lüscher, hier drohe ein „vernachlässigter Bereich“ zu entstehe. Deshalb wollen Senat, Anrainer und Wohnungsbaugesellschaft Mitte daran „weiterarbeiten“, von einem Wettbewerb zur Umgestaltung ist die Rede.
Quergestellt haben die Planer das Hochhaus hinter dem Kaufhof, das Park-Inn-Hotel bekommt ein rechtwinklig zur Alexanderstraße stehendes Hochhaus dazu. Und gegenüber bleibt es bei zwei Hochhausbauten am Haus der Elektroindustrie wie im alten Masterplan.

Für die Anwohner gibt es "Satellitenplätze" und Kümmerer


Kleine Korrekturen und Verschiebungen sind es also und neun statt früher zehn Bauplätze für Hochhäuser – während des Workshops sogar noch elf. Wichtiger als die Häuserzählung ist aber: Der Senat will bis zu sieben „Satellitenplätze“ im Umfeld des Alex schaffen mit Spielplätzen, Grün und vielleicht Wasserflächen. Am Platz liege der „Wohnanteil bei 30 Prozent“, in der Nachbarschaft sogar bei 50. Plätze für die Anwohner sollen da entstehen und außerdem auch „Kümmerer“ eingestellt werden, die nach dem Rechten sehen. Das Umfeld ist eben auch für Gewalttaten und Trinkgelage berüchtigt.

Bestehen bleiben etwa das Haus des Reisens sowie das Haus de Berliner Verlags inklusive Pressecafé - Änderungen, die in den Masterplan eingearbeitet werden musste, die ursprünglich Platz für Neubauten bieten sollten. Dafür ist ein neuer Hochhausturm jetzt nördlich des Haus des Reisens geplant (Bernhard-Weiß-Straße Ecke Theanolte-Bähnisch-Straße).
Erhalten bleibt auch das WBM-Wohnhaus in der Memhardstraße, wegen der günstigen Mieten, so die Bauverwaltung. Außerdem will die Bauverwaltung "Satellitenplätze" als Ergänzung zum Alexanderplatz anlegen. Ein "Netz aus Plätzen" soll entstehen,
als "Kiez- und Cityplatz, Ort der Bewegung und zum Verweilen".

Opposition nennt Masterplan verpasste Chance, die Probleme zu lösen

Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek nannte die Pläne eine verpasste Chance: „Statt mehr Sicherheit, bezahlbare Wohnungen, mehr Aufenthaltsqualität und mehr Grün bleibt es leider beim Verkehrskollaps“ Und die Skyline Berlins werde nachhaltig verändert.

Berlin in den Neunzigern
Eine Weltstadt erneuert sich - Alexanderplatz 1994. Liebe Leserinnen, liebe Leser: Senden Sie Ihre Fotos der Neunziger Jahre in Berlin an leserbilder@tagesspiegel.de!
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1 von 223Foto: Wolfram Jacob
07.09.2015 11:32Eine Weltstadt erneuert sich - Alexanderplatz 1994. Liebe Leserinnen, liebe Leser: Senden Sie Ihre Fotos der Neunziger Jahre in...

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