Berlin : Berlin ohne eigene Landesvertretung

Christian van Lessen

Rund 20 Mitarbeiter der Berliner Landesvertretung wollten es gestern nicht glauben: Nach nur zwei Jahren sollen sie den für 6,5 Millionen Mark hergerichteten Altbau an der Wilhelm- Ecke Dorotheenstraße wieder verlassen. Denn der Regierende Bürgemeister Klaus Wowereit will das von seinem Vorgänger zur Berlin-Vertretung umgebaute landeseigene Haus in bester Parlamentslage lieber vermieten, um leere Kassen zu füllen. Luxus dieser Art könne sich Berlin nicht mehr leisten, heißt es. Offiziell wussten die Mitarbeiter gestern nichts vom bevorstehenden Auszug. Die Berliner Landesvertretung der Bevollmächtigten Monika Helbig soll nun im Roten Rathaus residieren.

Die Nähe zum Reichstagsgebäude mit dem Bundestag und das Kanzleramt in Sichtweite sollte die Berliner Landespolitik dicht ans Bundesgeschehen rücken. Für die Dienststelle des "Bevollmächtigten des Landes Berlin beim Bund" standen kurze Wege in Aussicht, auch die Bundespolitiker sollten nur über die Straße gehen müssen, um an Besprechungen, Sitzungen, auch Empfängen teilzunehmen.

So wählte der Senat unter Eberhard Diepgen 1997 einen landeseigenen Altbau an der Wilhelm- Ecke Dorotheenstraße zur Landesvertretung Berlins in der Bundeshauptstadt Berlin aus. Das Gebäude wurde damals noch vom Institut für Arbeits- und Sozialmedizin und Epidemiolgie der Charité genutzt. Abgeordnete hielten eine Berliner Landesvertretung mit eigenem Haus für teuren Schwachsinn, die Grünen plädierten damals dafür, kostengünstiger die Vertretung im Roten Rathaus einzurichten.

Bis 1999 wurde das Bauwerk saniert und zum Schmuckstück hergerichtet, der Senat übernahm rund 1400 Quadratmeter von der Humboldt-Uni in dem 1874 errichteten großen Hochschulkomplex. Die Belegschaft wurde im Vergleich zur aufgegebenen Landesvertretung in Bonn halbiert.

Besuchern wird der kühl-repräsentative Eingang in Erinnerung bleiben, die breite Treppe zum ersten Stock, der große feierlich wirkende Sitzungssaal, die hohen Fenster mit Blick in die neuen Bundestagsbüros gegenüber. "Berlins Auge auf die Bundespolitik", sagen Mitarbeiter, rühmen den sanierten Saal, zu dem nur die 75 000 Euro teure Kunststoffleuchte nicht passen will.

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