Berlin-Tiergarten : Millionen für die Rosa Röhre

Der Forschungsbau im Tiergarten wird saniert: Die 120 Meter langen Rohre fassen 3300 Tonnen Wasser.

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Rosa Riese. Die Versuchsanstalt für Schifffahrt mit dem Umlauftank wird saniert.
Rosa Riese. Die Versuchsanstalt für Schifffahrt mit dem Umlauftank wird saniert.Foto: Mike Wolff

BR3ITN3R kommentiert auf dem Webdienst „Flickr“ das Bild der Versuchsanstalt so: „Wozu braucht man bitte so ein riesiges Rohr!?“ Gute Frage, denn jeder kennt es: Weil er die Straße des 17.Juni hinabfuhr, zwischen zwei Vorlesungen den Landwehrkanal entlang schlenderte. Oder weil er mit der S-Bahn von Mitte zum Zoo fuhr und einer der fröhlichen Gäste aus Übersee am Tiergarten laut-lachend aufschrie: „Look at that Pig!“.

Quietschbunt, postmodern eben

Jawohl, einen Schweinerüssel mag man in der rosafarbenen Röhre des Umlauftanks für die Strömungsexperimente der Technischen Universität erkennen. Ludwig Leos meisterhaftes Bauwerk setzt auch der Farb- und Geschmacksverirrung der frühen 1970er Jahre ein Denkmal. Deshalb ist es Kult unter jungen Baumeistern und Designern, die genug von der kühlen strenge des Rationalismus haben, eines Oswald Ungers etwa. Dabei war Leo Ungers Schüler, Architekturexperten schlagen ihn aber der spielverliebten Postmoderne zu und nennen ihn in einem Atemzug mit James Stirling.

Kaiser Wilhelm beschied: "Mein Reitplatz bleibt"

Die Rosa Röhre hätte Kaiser Wilhelm II. niemals durchgehen lassen. Als ihm um 1900 die erste Pläne für die Versuchsanstalt vorgelegt wurden, durchkreuzte er diese mit nur einem Federstrich und notierte darauf: „Mein Reitplatz bleibt“. So einfach war Durchregieren mal. Statt am Rande des kaiserlichen Hippodroms wurden die Becken zur Erforschung von Wasserströmung und Schiffsbautechnik auf die kleine Insel im Kanal errichtet.

Der Chef findet sie außerordentlich sexy

„Außerordentlich sexy“, sagt der Chef der Wüstenrot-Stiftung Wulf von Lucius: Quietschrosa und Kobaltblau werden die Röhren aus angemaltem Polyurethan und der Stahlkörper bald wieder aufleuchten. TU-Vizepräsident Paul Uwe Thamsen freut es, denn ohne die 3,5 Millionen Euro der Bausparkasse verfiele das Baudenkmal weiter. Nun können die Schiffsmodelle (Maßstab 1: 40) weiter durch das Becken im Erdgeschoss gezogen oder – festgezurrt am 3. Oberdeck – dem mächtigen Druck von 3300 Tonnen vorbei fließenden Wasser trotzen. Dann leuchten Golfball-große rote oder grüne Leuchten auf und schweren Schalter werden umgelegt bis das Wasser mit maximal zehn Meter pro Sekunde fließt.

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