Berlin-Treptow : Am Spreeufer entstehen neue Hochhäuser

In Treptow sollen direkt am Wasser zwei Wohntürme und ein Hotel gebaut werden. Die Grünen sprechen von "Größenwahn".

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Drei neue Türme sollen am Spreeufer gebaut werde, der höchst misst 110 Meter.
Drei neue Türme sollen am Spreeufer gebaut werde, der höchst misst 110 Meter.Simulation: Pysall Architekten

Der Berliner Himmel wächst immer weiter zu. Das Immobilienunternehmen Agromex baut zwischen den Bürokomplexen Treptowers und Twin-Towers bis 2021 zwei schlanke Wohntürme (99 und 110 Meter hoch) mit rund 209 Eigentumswohnungen sowie ein Apartment-Hotel direkt am Spreeufer. Die Bezirksverordneten von Treptow-Köpenick haben für das Projekt jetzt grünes Licht gegeben – nach kontroverser Debatte. Die Grünen stimmten gegen das Vorhaben. „Kapital und Größenwahn in Treptow-Köpenick“, kommentierte Grünen-Fraktionschef Jacob Zellmer das Projekt in der jüngsten Bezirksverordnetenversammlung. SPD und Linke verteidigten das Vorhaben.

Seit sieben Jahren wird über das ehemalige Industriegrundstück an der Fanny-Zobel-Straße gestritten. Die Anwohner befürchten Verschattung und steigende Mieten, Naturschützer beklagen den Verlust einer Kaltluftschneise direkt an der Spree. Doch Baurecht für Hochhäuser besteht bereits seit 1994. Vier Jahre später entstanden die Treptowers, ein Ensemble aus Bürotürmen, die von der Allianz-Versicherung genutzt werden, allerdings nur noch bis 2019. Dann zieht die Assekuranz in einen Neubau nach Adlershof.

Höchstes Gebäude entsteht in Neukölln

Die neuen Treptower Türme liegen höhenmäßig im Berliner Durchschnitt. Am Alexanderplatz sollen die geplanten Hochhäuser 150 Meter erreichen, am anderen Spreeufer zwischen Ostbahnhof und Mercedes-Benz-Arena sind die Gebäude zwischen 63 und 95 Meter hoch. Der geplante Hotelturm am Estrel-Hotel in Neukölln wird nach derzeitigem Stand mit 175 Metern das höchste Gebäude der Stadt.

„Das ist städtebaulich ein großartiger Entwurf“, lobt Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD). Hätten die Verordneten die Planung abgelehnt, hätte Agromex die Fläche mit einem Duplikat der Twin-Towers bebauen können, ohne Durchgänge zur Spree. Zwischenzeitlich gab es auch Planungen für ein 19-stöckiges Carloft-Haus, also wohnen und parken auf gleicher Ebene, nach dem umstrittenen Kreuzberger Vorbild.

Justus Pysall hat die Türme entworfen

Der Entwurf für die neuen Spreetürme stammt vom Berliner Architekten Justus Pysall, der sich 2012 in einem Wettbewerb durchgesetzt hatte. Die Punkthochhäuser stehen auf einem schmalen Sockel, der zusätzlichen Freiraum schafft. Markant sind die großen umlaufenden Terrassenbalkone und „raumhohen Panoramafenster“.

Dass hier Luxuswohnungen entstehen, mit Blick auf Spree und den Molecule Men, das Wahrzeichen von Treptow, ergibt sich allein aus der Lage. Agromex möchte zu den künftigen Kaufpreisen keine Angaben machen. Auch die Investitionssumme wird nicht veröffentlicht. Die Wohnungen sollen bis zu 160 Quadratmeter groß sein. Weil das Projekt schon seit 2012 geplant wird, kann der Senat von Agromex keinen Anteil von Sozialwohnungen verlangen.

Stellplätze für 500 Fahrräder

Zum Ende des Jahres rechnet Agromex mit der Baugenehmigung. Im nächsten Jahr beginnen die Erdarbeiten. Das Grundstück ist kontaminiert, rund zwei Meter Erde müssen abgebaggert und deponiert werden. Zum Projekt gehört eine Tiefgarage mit 500 Fahrrad- und 335 Auto-Stellplätzen. Der Uferweg wird von sechs auf zehneinhalb Meter verbreitert, hinter den Gebäuden soll eine 3000 Quadratmeter große Spiel- und Erholungsfläche entstehen.

Die neuen Wohntürme ähneln dem Projekt Living Levels von Investor Maik Uwe Hinkel an der East Side Gallery. Für die Wohnungen in dem 14-Geschosser werden rund 9000 Euro pro Quadratmeter verlangt. Sie sind überwiegend verkauft. Der geplante Bau eines neungeschossigen Hotelriegels nebenan verzögert sich allerdings weiter. Nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wurde die Baugenehmigung, die eigentlich dieses Jahr ausgelaufen wäre, auf Antrag des Investors verlängert. Gegen die Verlängerung habe „eine Nachbargemeinschaft“ Klage eingereicht. Ob es sich dabei um die neuen Eigentümer im Hinkel-Turm handelt, ließ die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung offen.

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