Berliner CDU auf Wahlkreis-Tour : Die Harten kämpfen im Garten

Frank Henkel dreht am chinesischen Löwen und liest kyrillische Buchstaben vor: Die Berliner CDU startet ihre Wahlkreis-Tour in Marzahn-Hellersdorf.

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Hier kommt Henkel. Mit Kollege Mario Czaja und anderen CDU-Größen spaziert er durch die Gärten der Welt: Wähler suchen.
Hier kommt Henkel. Mit Kollege Mario Czaja und anderen CDU-Größen spaziert er durch die Gärten der Welt: Wähler suchen.Foto: DAVIDS/Gregor Fischer

Monika Grütters wollte unbedingt noch in den Staudengarten, obwohl der Regen einsetzte, an diesem grau umwölkten, schwülen Julitag. Hier, in den „Gärten der Welt“, in Marzahn-Hellersdorf, begann am Donnerstag die Wahlkreis-Tour der Berliner Christdemokraten. Deren Spitzenkandidatin, die mit dem Schirm in der Hand beim üppig wuchernden Grünzeug verharrte, tritt zum dritten Mal bei einer Bundestagswahl im fernen Osten der Hauptstadt an. Ohne Chance auf ein Direktmandat, das hat die Linke Petra Pau in Marzahn-Hellersdorf seit 1998 abonniert. „Aber wieder Platz 2, wie vor vier Jahren, das wäre ein Achtungserfolg“, sagte Grütters.

„Wieso Platz 2, wir setzen immer auf Sieg“, frotzelte der CDU-Landeschef Frank Henkel, der alle zwölf Berliner Wahlkreise in nächster Zeit besuchen wird. Jeweils gemeinsam mit dem örtlichen CDU-Direktkandidaten. Tief entspannt, im dunkelblauen Anzug und weißen Hemd, aber den Kragen offen, schlenderte der Innensenator durch das Parkgelände, die kräftigen Hände locker vor dem Bauch gefaltet. Da! Potenzielle Wähler! Zwei Dutzend Senioren hatten es sich auf Klappstühlen bequem gemacht. Ein gemischter Chor auf grüner Heid’. „Gar lustig ist die Jägerei“ wurde aus vollem Hals geschmettert. „Wollen wir mitsingen?“, fragte Henkel den Gesundheitssenator Mario Czaja, der als CDU-Kreischef in Marzahn-Hellersdorf mit von der Partie war. Sie haben es sich dann doch nicht getraut, nur Beifall geklatscht.

Und dann, in einer schwachen Minute, verriet der CDU-Landeschef, was ihm wirklich auf der Seele brennt. Ein chinesischer Löwe aus Stein, mit einer Kugel im Maul, die man drehen und sich dabei etwas wünschen muss, entlockte ihm das eine Wort: „2016“. Henkel drehte dabei die Kugel heftig – und wer nicht weiß, was 2016 los ist, dem sei es gesagt. Dann wird das Abgeordnetenhaus neu gewählt, und die Union hofft, endlich wieder stärkste Partei in Berlin zu werden und den Regierenden Bürgermeister zu stellen. Namens Frank Henkel?

Jetzt schon können die Christdemokraten in der Hauptstadt fest damit rechnen, bei der Bundestagswahl am 22. September die Nase weit vor dem Koalitionspartner SPD zu haben. Wenn’s gut geht, mit zehn Punkten Abstand. 30 gegen 20 Prozent. Da lässt es sich frohgemut selbst durch die politische Diaspora Marzahn-Hellersdorf wandern, wo die CDU 2009 bei 18,1 Prozent landete. Immerhin knapp vor den Sozialdemokraten. Trotzdem weiß die CDU-Wahlkreiskandidatin, dass sie erneut um ihren Platz im Bundestag zittern muss. Denn wenn die Union so gut abschneidet, dass im alten Berliner Westen ein gutes Dutzend Mandate direkt geholt werden, käme möglicherweise die CDU-Landesliste nicht mehr zum Zug, die von Grütters angeführt wird.

Vor vier Jahren entging sie diesem Schicksal nur mit knapper Not, putzt jetzt aber wieder unermüdlich Klinken in den Plattenbauten und Siedlungsgebieten und lädt die befreundete Bundesprominenz in ihren schwierigen Wahlkreis ein. Die Minister Johanna Wanka, Ursula von der Leyen und Thomas de Maizière – sie waren schon da oder kommen. An diesem Donnerstag aber zieht der kleine Wahlkampf-Trupp weiter, zur Betriebsbesichtigung in der Knorr-Bremse. Dann zum Psychosozialen Zentrum im Wuhletal. Zwischendurch immer wieder Fotos. Henkel greift dabei seiner Parteifreundin, der „Moni“, sanft um die Hüften.

Auf den Fluren der Knorr-Bremse alte Plakate, auch in kyrillischer Schrift. Henkel liest es fließend vor, der Geschäftsführer Matthias Krug hört es mit Vergnügen. Ab geht’s in die Produktion. Unermüdlich werden die Hände der Mitarbeiter geschüttelt, der Chef des Betriebsrats lobt das Unternehmen, Grütters fragt nach der Frauenquote, Henkel interessiert sich für die Gehälter. Noch einmal Fotos und „kommen Sie doch bald wieder“. Natürlich, natürlich, so kurz vor der Wahl.

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