Berlin : Berliner Chronik: 29. November 1975

Im Berliner Zoo wird heute um zwölf Uhr ein spezielles Haus eröffnet, das all jenen vorbehalten ist, die das Vergnügen im Schummerlicht anderen Lebensweisen vorziehen. Womit die dämmerungsaktiven Tiere gemeint sind, welche in den Zoos alter Prägung tagsüber als Fellknäuel zusammengerollt in den Käfigecken lagen, was ihnen nicht gerade das größte Interesse der Besucher sicherte. Solchem Mangel wurde nunmehr abgeholfen: In dem Neubau wird die Nacht zum Tage gemacht. Solange sich tagsüber der Besucher im Haus aufhält, werden die Gehege durch sehr schwaches Licht ausgeleuchtet, den Tieren wird die Nacht vorgegaukelt, also jene Zeit, in der sie erst so richtig mobil werden. Am Abend, wenn in allen anderen Tierhäusern die Lampen erlöschen, brennt bei den "Nachtgespenstern" helles Licht: Für sie wird es jetzt Tag - sie gehen schlafen. Die Umstellung der Tiere im Rhythmus ist erstmals in England ausprobiert worden. Betritt der Gast, aus der Taghelle des Raubtierhauses kommend, in dessen Untergeschoß die Nachttierabteilung liegt, den Raum, ist der erste Eindruck ebenso düster wie faszinierend.

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