Berlin : Berliner Chronik: 8. April 1976

Vor 25 Jahren berichteten wir:

Vor 25 Jahren berichteten wir:

"Es gehört nicht zu ihrem Stil, sentimental zu sein", hat Theodor Heuss den Berlinern bescheinigt. Das war 1960. Er kannte unsere derzeitigen Stadtväter - oder sollte man sagen Stadtrabenväter - noch nicht. Sie haben seither das gewachsene, zerstörte und wieder gewachsene Stadtbild derart verhäßlicht, daß eine Rücksehnsucht (Modewort: Nostalgie) kaum ausbleiben konnte. Wahrscheinlich war es schon ein Fehler, ein Jahr zuvor, die umweltfreundliche gute alte "Elektrische" endgültig durch den Umweltverschmutzer Bus zu ersetzen. Was dann alles geschehen ist, läßt sich unschwer am Zustand etwa des Innsbrucker oder des Breitenbachplatzes ablesen. Riesige Stadtautobahnen haben kahle Scheisen aus Beton durch unsere Stadtlandschaft geschlagen, Bäume sind gefallen, Hochhausruinen entstanden, und jetzt hat man im Rahmen eines "Konjunkturprogramms" eine runde Million DM ausgesetzt, um auch noch die letzten vertrauten Gaslaternen durch Peitschenmaste zu ersetzen. Läßt sich Konjunktur eigentlich nur durch Zerstörung ankurbeln? Peitschenlampen machen die Straße gewiß heller - die Straße, berlinisch: den Damm -, aber keineswegs den Bürgersteig; der wird eher dunkler. Und was auch zählen sollte, ist die Tatsache, daß die Dinger zwar an einer vielbefahrenen Hauptverkehrsader am Platze sein und in schnurgerader Reihung sogar eine gewisse Eleganz entfalten mögen. Boulevard Berlin:
Was die Stadt bewegt...

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