Berlin : Berliner Chronik: 9. August 1961

I.B.

Von Tag zu Tag zum Mauerbau

Nach der Fernseh-Rede Chruschtschows steigt die Zahl derjenigen, die der DDR den Rücken kehren, erneut an. "Gestern wieder 1741 Flüchtlinge", titelt die "Berliner Morgenpost". "Das ist die höchste Zahl an einem Wochentag seit dem Jahre 1953." Die Moskau-Reise Ulbrichts hat "bei der mitteldeutschen Bevölkerung die Befürchtung bestärkt, daß das Zonenregime den Zugang nach West-Berlin unmöglich machen könnte." Kommunistische Funktionäre behaupteten, "daß es vom September an keine Möglichkeit zur Flucht mehr geben werde".

Das "Neue Deutschland" berichtet, dass zu Freitag, dem 11. August, die Volkskammer einberufen wurde. "Auf der Tagesordnung stehen Fragen des Friedensvertrages." Was das "ND" nicht berichtet ist, dass diese Sitzung auf Anordnung des SED-Politbüros einberufen wurde. Ziel: Der Ministerrat der DDR soll zu "Maßnahmen gegen den Bonner Menschenhandel", sprich Grenzabriegelung, ermächtigt werden.

West-Berlin beschließt Ausgleichsmaßnahmen, um die Grenzgänger zu entlasten. Die müssen seit einigen Tagen Gebühren und Abgaben in der DDR in Westgeld zahlen. Die Lohnausgleichskasse, die den Grenzgängern ihr im Westen verdientes Geld zu 40 Prozent in Westmark auszahlt, lege "zusätzlich 60 DM-West für Grenzgänger" drauf, meldet der Tagesspiegel.

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