BERLINER Chronik SERIE : 16. August 1961 Jahre Mauerbau

300 000 West-Berliner protestieren vor dem Rathaus gegen die Abriegelung

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Mehr als 300 000 Menschen folgen dem Aufruf des Senats zur Protestkundgebung vor dem Rathaus Schöneberg gegen die Abriegelung der Sektorengrenze. „Berlin erwartet mehr als Worte, Berlin erwartet Aktion!“, so der Regierende Bürgermeister Willy Brandt unter stürmischem Beifall. Das habe er auch in seinem Brief an Präsident John F. Kennedy zum Ausdruck gebracht. Nicht West-Berlin sei unmittelbar bedroht, es gehe um die Glaubwürdigkeit des Westens. „Die Sowjetunion hat ihrem Kettenhund Ulbricht ein Stück Leine gelassen“, Panzer hätten den gültigen Viermächte-Status zermahlen. Brandt appelliert an die Ost-Funktionäre und bewaffneten Kräfte: „Lasst Euch nicht zu Lumpen machen ... Schießt vor allem nicht auf die eigenen Landsleute!“

Mit Zustimmung der Westalliierten stellt der Senat den Lohnumtausch für Grenzgänger von West nach Ost ein. Bisher wurde den in Ost-Berlin arbeitenden West-Berlinern der größte Teil des Gehalts 1:1 in West-Mark eingetauscht. Die Lohnausgleichskasse wird geschlossen.

Dem Berliner Bischof Otto Dibelius, der in West-Berlin wohnt, wird am Übergang Chausseestraße die Einreise nach Ost-Berlin verweigert. Am Montag konnte er dort noch seine Amtsgeschäfte wahrnehmen. Scharf, der am 13. August von einem Familienbesuch nach Ost-Berlin zurückgekehrt ist, gestatten die Ost-Behörden das Betreten West-Berlins nicht. Die DDR-Regierung verhängt für ihre Bürger eine Reisesperre ins Bundesgebiet. Bereits ausgestellte Genehmigungen gelten nicht mehr. Vopos schicken alle Reisenden seit Mitternacht an der Zonengrenze zurück. Brigitte Grunert

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