BERLINER Chronik SERIE : 28. Juli 1961 Jahre Mauerbau

Die DDR verschärft die Kontrollen beim Verkehr zwischen Ost und West

Kontrolle. Die Grenze war zwar bis zum 13. August noch offen, doch ein Wechsel von Ost nach West und umgekehrt war nicht ohne Weiteres möglich. Foto: dpa
Kontrolle. Die Grenze war zwar bis zum 13. August noch offen, doch ein Wechsel von Ost nach West und umgekehrt war nicht ohne...Foto: picture alliance / ZB

Die Volkspolizei hat auf sämtlichen Wegen nach Berlin und Potsdam Kontrollstationen errichtet. Alle Autos mit Ausnahme von Dienstwagen müssen dort halten. Die verschärften Kontrollen gelten den DDR-Bürgern, denn es soll festgestellt werden, ob „Verdacht auf Republikflucht“ besteht. In den Eisenbahnzügen wurden die Kontrollen ebenfalls verstärkt. Trotzdem haben sich am Vortag 1078 Flüchtlinge in West-Berlin gemeldet.

Die DDR-Führung sagt dazu kein Wort. Während in der Ost-Presse jeder Hinweis fehlt, berichtet die West-Presse ausführlich unter Berufung auf Augenzeugen. Über Absperrungen zwischen Ost und West wird jedoch nirgendwo spekuliert.

Augenzeugen berichteten, dass bei den Kontrollen erstmals auch Soldaten der DDR-Volksarmee eingesetzt werden, und dass allein auf der Strecke Dresden – Berlin drei mit Maschinengewehren ausgerüstete Straßensperren errichtet wurden. Von bis zu ein Kilometer langen Schlangen infolge der intensiven Auto-Kontrollen ist die Rede. Auf dem Berliner Ring wurden Einheiten der Volksarmee in Kampfanzügen gesichtet.

Ost-Funktionäre bemühen sich, die Versorgungskrise als West-Lüge darzustellen. Das Ministerium für Handel und Versorgung erklärt ohne nähere Erläuterung, der Verbrauch an Butter, Milch und Fleisch habe „eine bisher einmalige Höhe“ erreicht. Der Chef des Warenhauses am Alex meldet, der Umsatzplan für das erste Halbjahr sei übererfüllt, bei Konsumgütern um 2,8 Prozent, bei Lebensmitteln um 3,8 Prozent. Das beweise: „Lemmer-Lügen haben kurze Beine“. Ernst Lemmer, Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, wird nur „Spionageminister“ und „Spaltungsminister“ genannt. Die Ost-Presse versichert, die Kühlhäuser der DDR seien „zum Bersten" mit Tausenden Tonnen Fleisch, Butter, Feinfrost und Millionen Eiern" gefüllt. In Pankow entstehe „der größte Milchhof Europas“. Gru

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