Berlin : Berliner Eishockeyprofis in Untersuchungshaft

Richter gab dem Antrag der Staatsanwaltschaft statt – Geschäftsführer des EHC Eisbären suspendiert beide Spieler vorläufig

Claus Vetter

Yvon Corriveau und Brad Bergen müssen mindestens zwei weitere Wochen in Schweden bleiben. Sie kommen aus dem Polizeigewahrsam in Untersuchungshaft. Ein Haftrichter gab gestern am späten Nachmittag einem entsprechenden Antrag der schwedischen Staatsanwältin Pernilla Aström statt. Den beiden Berliner Eishockeyprofis vom EHC Eisbären wird vorgeworfen, eine 20-jährige Schwedin vergewaltigt zu haben. Aström hatte den Antrag nach umfangreichen Vernehmungen aufgrund „neuer Erkenntnisse“ gestellt. Detlef Kornett, Geschäftsführer der Eisbären und Europachef des Klub-Eigners, der nordamerikanischen Anschutz-Gruppe, suspendierte die beiden Spieler unmittelbar nach Bekanntwerden der Entscheidung. Dies sei ein ernster Vorgang, sagte Kornett.

Die beiden Spieler waren am Sonnabend von der schwedischen Polizei in Gewahrsam genommen worden. Sollten sie angeklagt werden, drohen ihnen bis zu zehn Jahre Haft. Gegen fünf weitere Spieler der Eisbären, die ebenfalls in Zusammenhang mit dem Fall verhört wurden, gebe es dagegen keine Verdachtsmomente mehr, sagte Staatsanwältin Aström. Gegen sie werde deshalb nicht weiter ermittelt.

Die Eisbären hatten in der schwedischen Kleinstadt Tyringe ihr Trainingslager absolviert. Dort soll sich die Tat in der Nacht zum Sonnabend in einem Zimmer des Mannschaftshotels ereignet haben. Die beiden Spieler sollen die 20-jährige Frau bei einem Disco-Besuch im zehn Kilometer entfernten Hässleholm kennen gelernt haben. Die Frau hatte am Samstagmorgen Anzeige wegen Vergewaltigung gegen den Kanadier Corriveau und den ehemaligen deutschen Nationalspieler Bergen erstattet.

Gestern Nachmittag wurden die Profis in Hässleholm dem Haftrichter vorgeführt. Am Morgen hatten ihre Anwälte die Zeugenaussagen vorgelegt bekommen. Die Akte soll 50 Seiten dick gewesen sein. „Es steht Aussage gegen Aussage“, sagte Kornett. „Wir wissen noch nicht, was vorgefallen ist.“ Trotzdem suspendierte er die Profis vorläufig: „Niemand darf wollen, dass das Fehlverhalten zweier eigenverantwortlicher Erwachsener einem ganzen Unternehmen schadet.“ Mit Manager Peter John Lee und Marketingchef Billy Flynn verließen gestern Nachmittag die letzten Eisbären-Verantwortlichen Schweden. „Sie können vor Ort nichts mehr bewegen“, sagte Kornett. „Unsere Anwälte arbeiten weiter mit den Betroffenen zusammen.“

Die Mannschaft der Eisbären ist gestern nach Hamburg gefahren, um dort am Abend bei einem Freundschaftsspiel gegen die Hamburg Freezers anzutreten. Die Stimmung im Bus war gedrückt, auch während des Spiels war das Team nicht so recht bei der Sache und verlor deutlich 3:7.

Einige Zeitungen hatten einen 18-jährigen Spieler der Eisbären mit dem Vorwurf der Vergewaltigung in Zusammenhang gebracht – nur hatte der Spieler gar nicht am Trainingslager teilgenommen.

Meldungen, nach denen sich der Hauptsponsor der Eisbären, die Gasag, negativ über den Verein geäußert hat, bestritt das Unternehmen. „Wir stehen zu den Eisbären und haben volles Vertrauen in das Management“, sagte Gasag-Sprecher Klaus Haschker. „Natürlich sind wir nicht erfreut. Sollte es zu einer Anklage kommen, tragen allein die beiden Profis die Verantwortung.“

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